- Alle biologisch wichtigen Aminosäuren unterscheiden
sich durch unterschiedliche Reste (siehe allgemeine Formel Abb.
11). Ausnahme: Prolin ist eine Iminosäure:
- Alle biologisch wichtigen Aminosäuren sind
a-Aminosäuren,
d.h. die Aminogruppe hängt am 2. C-Atom nach der Carboxylgruppe:
- Das a-C-Atom ist
asymmetrisch, d.h. es hängen an allen 4 Bindungen des C-Atoms
4 verschiedene Substituenten. Die biologisch wichtigen Aminosäuren
sind L-Aminosäuren,
d.h. ihre Aminogruppe hängt links vorne:
In der Chemie spricht man von Spiegelbildisomerie,
d.h. es gibt 2 Strukturen mit unterschiedlicher räumlicher
Konfiguration, die spiegelbildlich ist.
- Aminosäuren bilden in Wasser Zwitterionen,
die 2 entgegengesetzte Ladungen in einem Molekül besitzen.
Solche Zwitterionen können als
Säure reagieren und ein H+-Ion
abgeben:
Sie können jedoch auch
als Base wirken und Protonen aufnehmen:
Die Fähigkeiten Protonen aufzunehmen und abzugeben
sind oben für Alanin dargestellt.
Stoffe , die zugleich Säure
und Base sein können nennt man Ampholyte.
- Aminosäuren absorbieren ultraviolettes
Licht. (siehe Abb.14)
1.2.3 Peptidbindung und Raumstrukturen
Aminosäuren können
sich mit ihrer Carboxyl- und Aminogruppe miteinander
verbinden. Diese Eigenschaft ist der Grund dafür, daß
es Proteine gibt. Dabei können Ketten mit über 600 Aminosäuren
entstehen.
Wir wollen uns die Verbindung zweier Aminosäuren
genauer ansehen.

Die Bindung zwischen zwei Aminosäuren über
die Carboxyl-gruppe der einen und Aminogruppe der
anderen heißt Peptidbindung.
Dabei wird 1 Wassermolekül abgespalten. Solche Reaktionen,
bei den Wasser abgespalten wird, heißen Kondensationsreaktionen.
Die Bindung kann auch wieder gespalten werden, man nennt
dies Hydrolyse. Dazu wird
je ein H2O-Molekül benötigt.
Die Abbildung links zeigt relativ gut, daß die Verbindung
der Aminosäuren über die Peptidbindung
räumlich zu einer "Zick-Zack"-Kette führt.
Dabei stehen die Reste seitlich aus der Kette.
Diese Struktur nennt man Primärstruktur.
Man nennt die Verbindung von 2 Aminosäuren Dipeptid,
von 3 Tripeptid, von 4
Tetrapeptid usw.
Für längere Ketten verwendet man
die Bezeichnungen:
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2
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3
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4
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5
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6
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7
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8
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9
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10
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Di
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Tri
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Tetra
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Penta
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Hexa
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Hepta
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Okta
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Nona
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Deka
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Peptide mit einer Kettenlänge von 2 bis ca.
20 werden als Oligopeptide
bezeichnet (Oligo für mehrfach).
Längere Peptide bezeichnet man allgemein
als Polypetide
(Poly für viel), wobei der Übergang Oligo- Poly- fließend
ist. Eine Kette mit über 100 Aminosäuren nennt man Protein.
Bleiben wir zunächst noch bei den Peptiden.
Sehen wir uns die Primärstruktur eines Tetrapeptides
an:

Es sind nur die funktionellen Gruppen und
Reste dargestellt. Die Peptidbindungen sind rot,
die C-Ketten der 4 Aminosäuren violett/schwarz
gezeichnet. Um einen räumlichen Eindruck zu erhalten sollte
man unbedingt die unten angeführten Animationen durchspielen.
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Versuchen
Sie zur Übung ein Tripeptid aus Phe, Gly und Ala in dieser
"Zick-Zack-Form" zu zeichnen. |
Beachten Sie :
- Reste und C=O stehen immer abwechselnd nach
oben und unten.
- Links beginnt man mit dem Aminoende,
rechts ist dann das Carboxylende der Kette.
- Zeichnen Sie zuerst die Zick-Zack-Kette und
setzen Sie dann die Atome ein.
Betrachten wir nun einige in der Natur vorkommende
Peptide, zunächst das Hormon Oxytocin
(ruft bei der Geburt die Wehen hervor). Es ist ein Nonapeptid. Die
Reihenfolge der Aminosäuren ist wie folgt:
H2N-Gly-Leu-Pro-Cys-Asn-Gln-Ile-Tyr-Cys-COOH
(Amino-und Carboxylende sind eingezeichnet)
Nun vergleichen wir damit das Nonapeptid Vasopressin
(= Adiuretin, regelt die Nierenfunktion)
H2N-Gly-Arg-Pro-Cys-Asn-Gln-Phe-Tyr-Cys-COOH.
Man sieht sofort Unterschiede
und auch Gemeinsamkeiten:
- die Kettenlänge
ist gleich
- der Gehalt an Aminosäuren
ist unterschiedlich (Häufigkeit = Frequenz
des Auftretens)
- es gibt teilweise die
gleiche Reihenfolge (= Sequenz)
Vergleicht man die räumliche
Struktur mit anderen Peptiden erhält man noch eine Charakteristikum:
- die Konformation
(räumliche Struktur)
Damit haben wir wichtige
Kriterien gefunden, wie sich Peptide voneinander unterscheiden:
Kettenlänge,
Frequenz, Sequenz,
räumliche Struktur.
Die Primärstruktur des blutzuckersteigernden
Hormons Glucagon sieht so aus:
His Ser Gln Gly
Thr Phe Thr Ser
Asp Tyr Ser Lys
Tyr Leu Asp Ser
Arg Arg Ala Gln
Asp Phe Val Gln
Trp Leu Met Asn
Thr (29 Aminosäuren)
Vergleichen wir nun die räumliche Struktur
des Oxytocin mit der des Glucagons:
Dabei sind die C-Atome grau, N-Atome blau gezeichnet;
O = rot, H = weiß, S = gelb.
Man hat große Probleme aus diesen Abbildungen die Primärstruktur
zuerkennen bzw. die genaue Konformation zu erfassen. Das einzige
was man zunächst sieht ist, dass die Konformation total unterschiedlich
ist.
Offensichtlich faltet sich die Primärstruktur
(Zick-Zack-Kette) räumlich unterschiedlich auf,
je länger sie wird. Abb. 7 zeigt
Oxytocin als "Stickmodell":
Klicken Sie das Bild oben an zur
3D-Darstellung
Die Abb. 9 zeigt Glucagon als "Drahtmodell":
(auf das Bild klicken für 3D)

Früher haben die Wissenschaftler echte Drahtmodelle
gebaut, heute übernimmt der PC diese Aufgaben. Man kann sich
die Strukturen mit einem Programme wie RASMOL direkt dreidimensional
anschauen und sie drehen.
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