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Die embryonale Phase
In der embryonalen
Phase der gesamten Embryonalentwicklung findet die Organogenese
(= Organbildung) statt. Dabei wird die Gastrula in eine Körperstruktur
mit bestimmten Organen übergeführt.
Direkt auf die Gastrulation folgt die Neurulation,
bei der die Bildung des Nervensystems beginnt.
Die Nervenzellen und Gliazellen, aus denen das
Zentralnervensystem besteht (Gehirn und Rückenmark) entstehen
aus einem speziellen Bereich des Ektoderms,
den man Neuralplatte
nennt. In der dritten Woche der Embryonalentwicklung gibt das Mesoderm
ein molekulares Signal, worauf die Neurulation beginnt. Kurz danach
faltet sich die Neuralplatte nach innen und bildet die Neuralrinne
aus, die sich zum Neuralrohr formt. Daraus wird später das
Rückenmark. Seitlich bilden sich die Neuralleisten
aus, aus denen sich später das vegetative Nervensystem entwickelt.

Zuvor hat sich unterhalb davon die Corda
dorsalis gebildet, der zentrale Achsenstab aller Vertebraten
(= Wirbeltiere). Seitlich davon entstehen später die Wirbel
der Wirbelsäule.
Weiterhin haben sich verschiedene, die Embryoreifung
unterstützende Strukturen gebildet wie das Amnion, der Dottersack,
das Chorion und die Allatois, die sich weiterentwickeln.
Das Amnion
ist eine spezielle, schützende Membran. Bei anderen Organismen
mit einer amniontischen Hülle wird der Embryo vor Dehydration
geschützt. Beim Menschen ist das nicht so wichtig wie bei Eidechsen,
die ihre Eier in z.B. den trockenen Sand ablegen. Bei Menschen dient
das Amnion wesentlich zur Isolation und absorbiert Stöße.
Der Dottersack
ist bei Tieren wichtig wie z.B. Hühnern, die dort Nahrung speichern.
Beim Menschen werden die Nährstoffe über die Plazenta
bereitgestellt. Im Menschen liefert der Dottersack fötale Blutzellen
und bildet einen Teil der Nabelschnur.
Das Chorion
entwickelt sich aus den Zellen des Trophoblasten und bildet den
fötalen Anteil der Plazenta. Bei anderen Wirbeltierembryos
wie z.B. Hühnern dient das Chorion als respiratorische Struktur
und zur Sauerstoffanlieferung.
Als letzte der extraembryonischen Membranen entwickelt
sich in der 4. und 5. Woche die Allantois.
Sie stellt die Arterien und Venen für das Chorion und die Nabelschnur
bereit.
Bis zur 10. Woche ist die Plazenta
(=Nachgeburt oder Mutterkuchen genannt), das wichtigste Organ im
vorgeburtlichen Versorgungssystem als Bindeglied zwischen Mutter
und Kind voll ausgebildet. Die Plazenta vergrößert sich
mit fortschreitendem Wachstum des Fötus und besteht aus einem
kindlichen Anteil und einem mütterlichen Anteil. Die mütterliche
Plazenta ist mit dem Fötus über die Nabelschnur verbunden.
Der Embryo bezieht aus dem Blut der Mutter Sauerstoff, Nährstoffe
und Flüssigkeit, Abfallprodukte aus dem kindlichen Stoffwechsel
werden zurückgeleitet. Die beiden Blutkreisläufe sind
durch eine dünne Membran voneinander getrennt, sodaß
sich das mütterliche und kindliche Blut nicht miteinander mischen.
Allerdings filtert die Plazenta nicht alle problematische
Stoffe heraus, sodaß einige Giftstoffe wie Ethanol und z.B.
Schwermetalle (Pb, As, Cd) und Viren die Plazentaschranke passieren
können.

In der Plazenta werden spezielle Hormone wie Progesteron
und Östrogen (= weibl. Sexualhormone) gebildet, die die Menstruation
und die weitere Eireifung bei der werdenden Mutter verhindern.
Nach der Geburt wird die Plazenta als Nachgeburt
abgestoßen.
In der Embryologie werden die verschiedenen Stadien
der Entwicklung mit Carnegiestadien
von 1-23 bezeichnet. Die Stadien stellen ungefähre Reifungsstufen
des Embryos dar.

Fötale Phase
Im Allgemeinen wächst der Embryo in der 3.
und 4. Woche, Augenlider und Augenbrauen wie Fingernägel werden
gebildet und Knochen ersetzt den Knorpel.. Die Schädelknochen
wachsen bis auf verschiedene Lücken (= Fontanellen) nicht weiter
zusammen. Diese schließen sich erst bis 2 Jahre nach der Geburt.
Auch die Geschlechtsorgane entwickeln sich ab dem Ende des 3. Monats
der Embryonalentwicklung. Ab dem 5. Monat kann die Mutter fötale
Bewegungen spüren. Während dieser Zeit ist die Haut mit
dem embryonalen Haarkleid (= Lanugo)
überzogen, zusammen mit Hauttalg, das als Schutz vor dem Fruchtwasser
dient.
Die Geburt erfolgt in der 40. Woche im 9. Monat.
Die Geburtsgröße variiert stark und ist normalerweise
zwischen 30 - 35 cm.
3.6.2 Embryonale Stammzellen
Stammzellen
sind noch undifferenzierte Körperzellen, die über längere
Zeit teilungsfähig sind. Dabei entsteht je eine Zelle, die
sich zu einer bestimmten Gewebezelle z.B. Leberzelle entwickelt
und eine Zelle, die die Stammzelleneigenschaft beibehält.
Man unterscheidet allgemein 2 Typen:
embryonale und
adulte
Stammzellen.
Sie haben verschiedene Eigenschaften, je nach dem
was aus den Teilungsprodukten werden kann. In Säugetieren nennt
man Stammzellen, aus denen alle anderen Zellen des erwachsenen Organismus
werden können totipotent.
Die einzigen totipotenten Zellen sind die Zygote und die ersten
paar daraus entstehenden Zellen (z.B. 4-Zell-Stadium; siehe die
Fähigkeit der Säugetiere zur Bildung von Mehrlingen).
Stammzellen, aus denen außer den extraembryonischen
Membranzellen ( aus dem Trophoblast) beliebig differenzierte Zellen
werden können nennt man pluripotent.

Man hat 3 Sorten pluripotente Stammzellen gefunden,
die ausschließlich in Embryonen isoliert werden können:
Embryonale Stammzellen (ES-Zellen).
Diese entstammen der inneren Zellmasse (ICM) der
Blastozyste. Nach einer In-vitro-Fertilisation (=künstliche
Befruchtung außerhalb des Körpers) kann man bei "überzähligen"
Embryonen aus den Blastozysten (Bläschenstadium) innerhalb
von drei Tagen die pluripotenten Zellen der inneren Zellmasse isolieren.
Dieses Verfahren zerstört allerdings den Embryo und ist 2005
in vielen Ländern verboten.
Embryonale Keimzellen (EG-Zellen
= primordialer Keimzellen).
Diese werden aus Vorläufern der Gonaden (=
Geschlechtsorganen) aus abgetrieben Föten (= Embryo ab dem
3 Monat) isoliert. Diese Zellen, die als Vorläuferzellen für
Ei- und Spermazellen dienen lassen sich im Labor unter Kulturbedingungen
zu embryonalen Stammzellen weiterentwickeln. Sie sind wie die aus
der Blastozyste isolierten Zellen pluripotent
und unterscheiden sich von diesen in keiner Weise.
Embryonale Karzinomzellen
(EC-Zellen).
Man isoliert sie aus dem Teratokarzinom, einem
Tumor in fötalen Gonaden. Diese Zellen sind aneuploid, d.h.
besitzen einen abnormalen Chromosomensatz.
Als letztes existieren noch multipotente
Stammzellen (adulte Stammzellen) , die in den meisten
Organen erwachsener Tiere gefunden werden wie z.B. Knochenmarkszellen.
Sie ersetzen normalerweise abgestorbene oder beschädigte Zellen.
Auf eine Diskussion ethischer Probleme wird hier
verzichtet und auf die umfangreiche Literatur im Internet verwiesen
z.B. http://www.zeit.de/wissen/stammzellen/index.
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