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Eisbohrkerne
In der Abb. 50 ist
die Temperaturentwicklung und die Schneeanhäufung in Grönland
der letzten 20 000 Jahre dargestellt. Vor ca. 12 000 Jahren gab
es eine abrupte Temperaturänderung (Dryas), in der innerhalb
50 Jahren ein Anstieg um fast 10 °C zu verzeichnen war.
Sie werden sich fragen, woher man Werte aus der Steinzeit hat?
Die Frage stellt sich übrigens ebenfalls beim Thema Evolution.
Voraussetzung ist die Tatsache, daß die Naturgesetze auch
früher gegolten haben. Dies weiß man durch die Astronomie,
die den Weltraum untersucht. Das Licht ist von dort teilweise länger
unterwegs, als wie die Erde alt ist. Egal wie alt das Licht ist,
es hat immer die Eigenschaften, die man kennt. (Uniformitätsprinzip)

Daten aus der Vergangenheit erhält man durch
Gesteinsuntersuchungen oder Analysen von Eis-Bohrkernen
aus der Antarktis oder Grönland. Die dort eingeschlossenen
Gase, in Zusammenhang mit Altersbestimmungen geben Aufschluß
über z. B. die Atmosphäre in früheren Erdepochen.
Eisbohrkern
http://idaho.usgs.gov/projects/icecore/
Rechts ist der Bohrturm der Antarktisstation Vostok
abgebildet, der 1999 die bisher tiefste Eisbohrung (3623 m) vorgenommen
hat. Aus der Analyse kann man die lokale Temperatur, die
Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit ableiten.
Außerdem erhält
man aus Gasblasen Information über O2, CO2
oder Methan, Überreste von Meeresorganismen,
und Vulkanausbrüchen usw.

Die Analysen werden mit Hilfe bestimmter Isotopen
gemacht, deren Zerfallseigenschaften man über die Zeit kennt.
Verwendet werden u.a.
- Beryllium-10 (10Be)
(Halbwertszeit 1,600,000 Jahre); entsteht in der oberen Atmosphäre,
wenn kosmische Strahlung N2 und O2-Moleküle trifft. Die Produktion
von 10Be folgt dem 11-jährigen Sonnenzyklus
.--->Rückschlüsse
auf Sonnenaktivitäten
- Sauerstoff-18 (18O).
Das Verhältnis 18O/16O
ändert sich beim Kondensieren in einer Wolke in Abhängigkeit
der Temperatur: je kälter die Wolke, desto niedriger das
Verhältnis.
---> Rückschluß auf
Temperatur
- Kohlenstoff-13 (13C)/14C:
Halbwertszeit 5700 Jahre) Fossile Brennstoffe enthalten kein 14C
und weniger 13C als Luft; das Verhältnis 13C/12C
ist in Pflanzen niedriger als in der Luft und in Meeren.
---> Rückschluß auf
Herkunft
Das Eis in 3623m Tiefe hat ein Alter von ca. 400
000 Jahren. In Abb. 53 sind die Ergebnisse
der Analysen der Eisbohrung in Vostok für die letzten 160 000
Jahre aufgeführt.
Die aktuelle Klimatologie setzt die so bestimmten
CO2 und Methan-Konzentrationen der eingeschlossenen Luft gleich
mit den damaligen atmosphärischen Konzentrationen. Dies ist
jedoch falsch, da bei der Bohrung und Analyse der Eisbohrkerne das
Eis verändert wird und ein Gasverlust auftritt. Deshalb sind
die so festgestellten Mengen zu niedrig und reflektieren nicht die
paläontologischen Konzentrationen.
Die in den Eisbohrkernen festgestellten Luftblasen sind in Abhängigkeit
der Kernlänge ein Artefakt und entstehen bei Bohrung und Bergung
des Eisbohrkerns. Eisbohrkerne aus Grönland und der Antarktis
sind über 3 km lang. Dies bedeutet, daß auf dem Eis in
größerer Tiefe ein entsprechend größerer Druck
lastet (ca. 5 bar bei 100 Jahre altem Eis und 15 bar bei 350 Jahre
altem Eis. Ab einem spezifischen Druckbereich (Tiefe) besitzt Eis
keine flüssigen und gasförmigen Einschlüsse mehr.
Die Gase liegen als Clathrat vor, CO2 ab ca. 200m O2 und N2 ab 600
m. (13)
Andere Proxydaten
Neben den Eisbohrkernen gibt es noch andere Indikatoren,
die auf Klima- und andere Umweltdaten der Vergangenheit hinweisen.
Dazu analysiert man klimaabhängige Relikte aus der Vergangenheit
wie:
Jahresringe von Bäumen, Eisbohrkerne, fossile Pollen, marine
Sedimente, Korallen, historische Überlieferungen, Stalagmiten
und andere. Man nennt diese Daten Proxydaten.
Anbei eine kleine Auswahl:
Historische Daten:
Die Kurve zeigt, daß im Mittelalter
mehr Wein geerntet wurde, was unteranderem auf bessere klimatische
Bedingungen hinweist.
Jahresringe von Bäumen (Dendrochronologie):
Oft werden Baumringe als Beweis
für Klimavariationen herangezogen, da ma diese direkt ablesen
kann. Die Wissenschaft, die sich mit der Analyse der Daten beschäftigt
heißt Dendrochronologie.
Diese Wissenschaft nutz verschiedene voraussetztende Prinzipien
wie das Uniformitätsprinzip,
um verläßliche Egebnisse zu erhalten. Darunter versteht
man, daß heute dieselben biologischen, chemischen und physikalischen
Gestzmäßigkeiten gelten wie in der Vergangenheit.
Nachfolgend ein Querschnitt durch
einen Stamm einer Gelbkiefer
(Pinus ponderosa) aus Oregon (USA), deren Jahresringe in der Zeit
zwischen 1600 und 1700 sehr eng sind: ein Zeichen für Wachstumsreduktion.
Damals herrschte die kleine Eiszeit mit mittleren Temperaturen die
ca. 1,5° niedriger waren wie heute (siehe Klimageschichte Mitteleuropas,
Prof. Glaser).
Höhlenablagerungen (Speleotherme;
Stalagmiten/Stalagtiten)
Speleotheme
sind mineralische Ablagerungen aus Grundwasser in unterirdischen
Höhlen. Solche Stalagmiten
und Stalaktiten zeigen jährliche
Bänderungen oder enthalten Mineralstoffe, die radiometrische
bestimmt werden können. Die Dicke der Ablagerungen oder der
Gehalt an Isotopen zeigt Klimavariationen an.
Bei Steleothermen spielt meist das
Kalkgleichgewicht eine Rolle. Die zugrunde liegende Reaktionsgleichung:
CaCO3
+ CO2
(aq) + H2O
Ca2+(aq)
+ 2 HCO3-
(aq) DH°=-17
KJ
ist eine Gleichgewichtsreaktion,
die durch höhere Temperaturen nach links in Richtung Abscheidung
von Kalkstein (CaCO3) verschoben wird. Je höher
die Temperatur, desto stärke die Abscheidung.
Paläozeanographie
(Ozeanische Sedimente, Planktonfossilien usw.)
Die obersten Schichten der Meeresböden
enthalten Überreste von Organismen aus der Erdgeschichte. Wichtige
Vertreter sind einzellige Tiere mit Kalkschalen z.B. Foraminiferen,
die als Plankton noch heute die Meere besiedeln.
Da die Foraminiferen im Laufe der
Erdgeschichte eine intensive Evolution durchlaufen haben, eignen
sich viele von ihnen, die nur eine relativ kurze Zeitspanne (in
der geologischen Zeitskala) existierten, hervorragend als "Index"-Fossilien
für die Altersbestimmung (Biostratigraphie). So kann man mit
Plankton-Foraminiferen die Schichtenfolge der Kreide- und Tertiärzeit
weltweit in über 100 einzelne Zonen untergliedern.
Für die Rekonstruktion der Ablagerungsbedingungen
in der geologischen Vergangenheit liefern sie ebenfalls wichtige
Hinweise (Paläoenvironment). Bei guter Erhaltung liefern die
Kalkschalen der Foraminiferen zudem ausgezeichnete Signale zur Isotopen-Stratigraphie
(16O/18O; 12C/13C).
Durch Vergleich der heute lebenden Arten mit denen
aus früheren geologischen Zeiten ist es möglich, Rückschlüsse
auf damals herrschende Wassertemperaturen
(Paläo-Ozeanographie) und damit Klimabedingungen
(Paläoklima) zu ziehen.
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