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In diesem Kapitel wollen wir das Wachstum einer
Population genauer untersuchen. Unter idealen Bedingungen kann eine
Population einer Organismenart in einem Ökosystem nicht unendlich
anwachsen. Normalerweise ist die Nahrungsmenge der wichtigste begrenzende
Faktor. Gibt es viele Beutetiere, wächst auch die Population
der Räuber. Nimmt die Zahl der Beutetiere ab, reduziert sich
phasenverschoben (siehe Abbildung 1)
auch die Räuberpopulation.
Hierzu kann man verschiedene
mathematische Modelle aufstellen.
Nehmen wir eine einfaches System: einen
Organismus ( Räuber) der einen anderen als Nahrung hat
(Beute). Der Räuber würde außerdem im gleichen
Lebensraum leben und es findet keine Zu- und Abwanderung statt.
Man merkt schon, daß das nicht ganz realistisch ist.
Eines der ersten Modelle dazu wurde von dem amerikanischen Biophysiker
Lotka und dem italienischen Mathematiker Volterra
vorgeschlagen. Es basiert auf Differenzialgleichungen. Es ist in
seiner Grundversion zwar nicht ganz realistisch, da es keinen Wettbewerb
zwischen den Beutetieren oder Räubern berücksichtigt,
jedoch kann man mit einigen Modifikationen des Modells die natürlichen
Vorgänge ganz gut beschreiben.
Lotka-Volterra-Modell:
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Es gibt 2 Variablen (P, H) und verschiedene
Parameter
H
= Populationsdichte der Beute
P
= Populationsdichte der Räuber
r
= natürliche Wachstumsgeschwindigkeit der Beute in Abwesenheit
der Räuber
a
= Beutefangraten - Koeffizient
b
= Reproduktionsrate der Räuber pro 1 vertilgten Beute
m
= natürliche Sterberate des Räubers in Abwesenheit
von Beute
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Nachfolgend sehen Sie zwei Lösungen der Gleichungen
für unterschiedliche Anfangspopulationen der Beute. Es sind
die Populationsdichten gegen die Zeit aufgetragen.
Man sieht, daß die
Räuberpopulation die Schwankungen phasenverzögert mitmacht.
Die Gesetzmäßigkeiten wurden im Experiment
und in der Natur z. B. bei Marienkäfern, die Blattläuse
vertilgen, bestätigt.
Wer die Abhängigkeit näher untersuchen
möchte, kann bei http://www.teorekol.lu.se/simulation_server/
online simulieren.
Die im Modell auftretenden Schwankungen sind auch
in der Natur zu beobachten. Je mehr Abhängigkeiten jedoch zu
anderen Organismen bestehen, je artenreicher eine Biozönose
ist und je vielfältiger die Lebensbedingungen sind, je weniger
Schwankungen treten auf. Die gegenseitige Abhängigkeit führt
zu einem biologischen
Gleichgewicht. (= dynamisches Gleichgewicht) Das System
reguliert sich selbst.
Ein Ökosystem ist im Gegensatz zu den Modellen
ein offenes System,
d.h. es findet Stoff- und Energieaustausch, Zu- und Abwanderung,
Konkurrenz statt.
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