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Wir haben schon in der Einführung einige biotische
Faktoren ansgesprochen: Konkurrenz, Nahrungsangebot
und Fortpflanzungsfähigkeit.
Es geht also um die Wechselwirkungen der Lebewesen
untereinander. Dazu gibt es unzählige weitere Beispiele.
Gehen wir zu den Insekten, den Herrschern
dieser Biosphäre aus biologischer Sicht. Der Mensch ist mit
1 Spezies und einer globalen Population von ca. 6 000 000
000 ( 6 x 109) Individuen gegenüber
den Insekten mit ca. 8 x 106 Arten ( davon sind
mehr als 1 000 000 beschrieben) und einer geschätzten Gesamtpopulation
von > 1030 unscheinbar. 85% aller Tiere
sind Insekten!

Darunter gibt es ca. 4500 Arten der
Aphidoidae (Läuse), die ebenfalls global in den nördlichen
Biomen leben. Blattläuse fügen der Agrarwirtschaft
weltweit extremen Schaden zu, da sie als Schädlinge nahezu
alle Zimmerpflanzen, Gemüsepflanzen, Obstbäume, Getreidepflanzen
usw. befallen.
Die verschiedenen Arten sind relativ wirtspflanzenspezifisch.
Blattläuse sind zwischen 1-6 mm lang, besitzen einen tropfenförmigen
Körper, der schwarz, grau,
rot, orange. gelb,
grün, braun,
blaugrün und weiß
sein kann.
Es gibt unbeflügelte und beflügelte Blattläuse. Sie
gehören zu den saugenden /stechenden Insekten, die die Pflanzenteile
anstechen und den Zellsaft aussaugen. Eine häufige ursprünglich
europäische Art ist die grüne
Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) Abb.
37.

Der Entwicklungszyklus der Blattläuse
ist etwas ungewöhnlich. Sie haben wie alle Insekten eine Metamorphose
und pflanzen sich sexuell und abwechselnd die Weibchen asexuell
durch Jungfernzeugung (Parthenogenese)
fort. Dadurch entstehen junge Weibchen (Nymphen). Der Lebenszyklus
beträgt 5-6 Tage. So entstehen pro Jahr ca. 50 Generationen.
Die allgemein bekannte explosionsartige Vermehrung geschieht im
Frühjahr und Sommer durch die Parthenogenese, bei der pro Tag
von jeder Blattlaus mehrere Wochen lang 6 voll ausgebildete Jungen
(b) produziert werden. Zwischendurch entstehen geflügelte
Formen die den Wirt wechseln können.
Bis zum Ende einer Saison können
so aus einer Blattlaus 1,560,000,000,000,000,000,000,000,000
(1,56 x 1027) Läuse entstehen.
Wer weitere Blattläuse ( ELMI-Bilder) sehen
möchte kann hier anklicken: Battlaus-Gallerie?
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Wir sehen hier also eine Vermehrungsfähigkeit
die wohl allen Änderungen der Umwelt standhält.
Ihre Lebensweise ist weiterhin parasitisch
nur zu ihrem Nutzen. Der Wirt (die Pflanze) geht dabei zugrunde.
(Mehr zu Parasitismus auf der nächsten
Seite)
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Blattläuse nehmen mehr Pflanzensaft auf, als
sie verdauen können. Sie scheiden den Überschuß
in Form eines süßen, zuckerhaltigen Saftes: Honigtau
aus. Dieser ergibt dann auf den Blättern und Stengeln einen
Belag, der zu weiteren Wechselwirkungen führt. Im Honigtau
gedeiht nämlich ein Pilz (Rußtaupilz), der die
Blätter schwarz und dreckig erscheinen läßt. Weiterhin
lockt er Ameisen an, die sich ebenfalls von ihm ernähren.

Die Ameisen bearbeiten ("melken") die
Blattläuse, sodaß diese schneller saugen und mehr Honigtau
produzieren. Sie schützen sie vor ihren Feinden und quartieren
sie und ihre Eier sogar auf neue Wirtspflanzen um.
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Diese Wechselbeziehung zu beiderlei Nutzen nennt man Mutualismus.
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Die meisten Blattlauspopulationen werden durch
abiotische Faktoren wie große Winde, schwere Regenfälle
und extreme Temperaturen und ihre natürlichen Feinden (biotischer
Faktor) gesteuert.
Feinde sind z. B.
- Marienkäfer (z.B. Coccinella
septempunctat) und seine Larven,
- Florfliegen (Chrysoperla
carnea), Larven der Räuberischen Gallmücke
(Aphidoletes aphidimyza), Schwebfliegen
( Episyrphus balteatus)
- Schlupfwespen () u.a.
- parasitische Pilze.
Marienkäfer ernähern sich von
Blattläusen (ca. 150/Tag). Sie gehören mit ihren Larven
(rechts unten) zu den wichtigsten Freßfeinden. Am bekanntesten
ist der Siebenpunkt: Coccinella
septempunctat .
Florfliegen ( z. B. Chrysoperla carnea) und ihre
Larven ernähren sich ebenfalls von Blattläusen (ca. 125/Woche).
Schlupfwespen (Aphidius matricariae) töten
Blattläuse auf andere Art: sie benutzen sie zur Eiablage. Sie
legen mit ihrem Legestachel ein oder mehrere Eier in die Läuse
(Wirtstiere; Parasitierung). Die ausschlüpfenden Larven
leben im Inneren der Läuse (Endoparasiten) und fressen
sie von innen her auf. Nach der Verpuppung schlüpft die Wespe
aus, in dem sie ein Loch in den Rücken der Blattlaus schneidet.
Parasitierte Blattläuse sind an ihrer Verfärbung
und Aufblähung gut zu erkennen. (siehe Abb.
41 und unten)

Pilze
können Blattläuse ebenfalls parasitieren. (siehe Abb.
42)

Zum Schluß
sei noch auf eine weitere Wechselwirkung der Blattläuse mit
anderen Lebewesen hingewiesen.
Blattläuse übertragen Viren
auf Pflanzen. Besonders gefährlich ist die Grüne
Pfirsichblattlaus, die über 100 Virusarten übertragen
kann.
Fassen wir die Wechselwirkungen noch einmal zusammen:

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