|
Ein Katalysator ist
eine Stoff, der chemische Reaktionen beschleunigt. Er ist kein Produkt
und kein Edukt.


Enzyme sind Biokatalysatoren,
die die Reaktionsgeschwindigkeit einer biochemischen Reaktion erhöhen.
Da fast alle biochemischen Reaktionen Gleichgewichtsreaktionen
sind, wirken Enzyme auch auf die Rückreaktion. Sie
ändern nicht die Gleichgewichtskonstante und die freie Enthalpie.
Betrachten wir zum Beispiel die Kondensation
zweier Aminosäuren. Ein Enzym, was dies katalysiert, beschleunigt
unter anderen Reaktionsbedingungen auch die Hydrolyse (Spaltung).

Man kann die Aktion eines Enzyms unter energetischen
Gesichtspunkten in einem Reaktionsweg-Zeit-Diagramm
darstellen:
DG
= freie Reaktionsenthalpie
DG*
= unkatalysierte Aktivierungsenergie
DG*enz
= enzymatisch katalysierte Aktivierungsenergie
Das Diagramm stellt den Verlauf
einer exergonischen Hinreaktion dar (DG=
- ).
Enzyme erniedrigen also die zur Reaktion notwendige
Aktivierungsenergie.
1.3.2 Substratspezifität, Wirkungsspezifität
Enzyme unterscheiden sich u.a. wesentlich
von anderen Katalysatoren: Sie sind sehr
spezifisch!
Z. B.: H2SO4 (Schwefelsäure)
katalysiert durch seine Protonenabgabe die Veresterung nahezu jeden
Alkohols mit einer Carbonsäure.
Viele Enzyme jedoch sind so spezialisiert,
daß sie auf nur ein Substrat wirken und ein ähnliches
Molekül unberührt lassen.
Amylase, ein Verdauungsenzym
im Speichel und Darm katalysiert nur die Spaltung von Stärke
und nicht Cellulose, obwohl beide aus Ketten von Glucose
bestehen. Der Unterschied liegt in der Bindung der Glucosemoleküle.


Die Amylase
besteht aus 1 Polypeptidkette und enthält
Ca2+ als Kofaktor.
Urease katalysiert die Spaltung
von Harnstoff in Ammoniak und CO2. Methylharnstoff ergibt
keine Reaktion.
Diese Eigenschaft, nur auf spezielle Ausgangsstoffe
zu wirken wird Substratspezifität
genannt.
Die Urease besteht aus 3 Untereinheiten
und benötigt als Kofaktor Nickel.
Ein weiteres Beispiel soll die Spezifität
der Enzyme verdeutlichen.
Proteinhaltige Nahrung wie Fleisch, Fisch, Geflügel
wird im Magen und Darm verdaut. Hier spalten Verdauungsenzyme (Proteasen)
die Eiweißmoleküle in Aminosäuren. Die Spezifität
ist allerdings sehr unterschiedlich.
Chymotrypsin ist ein
solches Enzym, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird.
Es spaltet eine Polypeptidkette an Stellen, wo sich Phe, Tyr
oder Trp befindet. Dabei ist es egal wie lange die Kette
ist.
Es besteht aus 3 Untereinheiten.
Trypsin ist ebenfalls
ein Enzym der Bauchspeicheldrüse und spaltet nur Peptidbindungen
nach Lys und Arg. Es ist ebenfalls egal wie lange
die Kette und wie die Sequenz ist.
Carboxypeptidase A
dagegen spaltet Peptidketten vom Carboxylende her, egal
wie lang die Kette ist und egal welche Aminosäure (außer
Lys).
Carboyxpeptidase A benötigt Zn++
als Kofaktor.
Wie man sieht kann die Substratspezifität
eng und breit sein.
Enzyme besitzen noch eine weitere wichtige Eigenschaft:
Sie unterscheiden sich in der Wirkung, die
Sie auf ihr Substrat haben.
|
Enzym
|
Wirkung
|
Reaktionstyp
|
|
Katalase
|
2 H2O2 ====> 2 H2O + O2
|
Aus dem Chemieunterricht
wissen wir, daß Reaktionen mit O2 Redoxreaktionen
sind. |
|
Urease
|
2CO(NH2)2 + H2O
====> 2 NH3 + CO2 |
Falls Sie auch
hier eine Redoxreaktion vermuten können Sie ja mal Ihre
Chemiekenntnisse anwenden und die Oxidationszahlen
aufstellen, und siehe da, die Oxidationszahl von C erhöht
sich nicht, also haben wir keine
Oxidation vorliegen. Es liegt jedoch
eine Spaltung unter Wasseraufnahme vor: eine Hydrolyse. |
|
Amylase
|
Stärke + n H2O
====> n Glucose
|
Hier liegt eine
Hydrolyse
vor. |
Vergleichen wir kurz dazu die bisherigen Enzymbeispiele:
Auch die genannten proteinverdauenden Enzyme Chymotrypsin,
Trypsin und Carboxypeptidase
katalysieren die Hydrolyse der Polypeptidketten.
Man nennt diese Eigenschaft Wirkungsspezifität.
Die Abb. 18 zeigt die Wirkung der
Saccharase auf die Saccharose. Dabei wird in 4 Schritten das Rohrzuckermolekül
gespalten, genauer die glycosidische Bindung zwischen den Zuckerbausteinen
Glucose und Fructose unter Wasseraufnahme hydrolysiert.

Enzyme haben also zunächst 2 Eigenschaften:
Sie sind substratspezifisch und wirkungsspezifisch.
Klassifizierung der Enzyme:
Sie werden auch nach ihrer Wirkung eingeteilt:
Enzymklasse
x.x.x.x |
Bemerkung
|
Beispiele
|
|
1 Oxidoreduktasen
|
Enzyme, die Redoxreaktionen katalysieren
|
Katalase
|
|
2 Transferasen
|
Enzyme, die den Transfer einer Atomgruppe katalysieren z.
B. ein Phosphatrest
|
Hexokinase transferiert
ein Phosphatrest von ATP auf Glucose
|
|
3 Hydrolasen
|
Enzyme, die eine Hydrolyse katalysieren
|
Amylase, Urease, Chymotrypsin,
Trypsin, Carboxypeptdidase
|
|
4 Lyasen
|
Enzyme, die Additionsreaktionen kleiner Moleküle an
Doppelbindungen katalysieren.
|
Citratsynthase stellt
Citronensäure her.
|
|
5
Isomerasen
|
Enzyme, die die Umwandlung in das Isomere des Substrats
katalysieren.
|
Phosphoglucoisomerase
wandelt Glucose-6-Phosphat in Fructose-6-Phosphat um.
|
|
6
Ligasen
|
Enzyme, die Verbindungen zwischen kleinen Molekülen
knüpfen, um größere zu bilden.
|
DNA-Ligase repariert
DNA.
|
International habe die Enzyme sogenannte Enzym-Kommisions-Nummern
(EC) erhalten: z.B. Amylase hat die Nummer: EC
3.2.1.1

Nomenklatur
Man hat allen Enzymen die Endung
-ase gegeben. Für einige
schon vor Jahrzehnten entdeckten Enzyme hat man den Trivialnamen
beibehalten wie Pepsin oder Lysozym.
Enzyme werden nach ihrem Substrat benannt und
wenn der Name zu lang ist abgekürzt ( z.B. siehe unten G6PD
oder ADH = Alkoholdehydrogenase).
Man findet Enzyme überall in der Zelle, und
im transzellulären Raum, z.B. in den Verdauungsorganen. Man
schätzt, daß eine Leberzelle ca. 50 Millionen Enzymmoleküle
enthält.
Bis heute kennt man mehr als 2000 Enzyme.
Die häufigste enzymatisch bedingte Erbkrankheit
der Welt ist Favismus (ca. 400 Millionen Kranke), ein Fehlen
der Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD).
|