1.2

Bau von Proteinen

1.2.3 Peptidbindung und Raumstrukturen Teil III

Tertiärstruktur, Quartärstruktur, Proteide

Unter der Tertiärstruktur versteht man die Wollknäuelstruktur oder Globulärstruktur der Proteine. Dies ist die typische Struktur eines großen Teils der Proteine in der Zelle wie z. B. der Enzyme. Eine Tertiärstruktur enthält meist Sekundärstrukturen wie Helix und Faltblatt. Es gibt kaum Proteine mit Tertiär- aber ohne Sekundärstrukturen. Betrachten wir nun einige typische Tertiärstrukturen:

Die Abbildung 32 zeigt die Vielfalt und Einzigartigkeit jeder Tertiärstruktur. Wir wollen nun einige besondere Proteine herausgreifen und die Tertiärstruktur näher besprechen.

1. Membranproteine

Porin, ein Protein aus der Membran bestimmter Bakterien. Es dient als Ionenkanal.

Es besteht nahezu vollständig aus der Faltblattstruktur und bildet eine Röhre, durch die Ionen mit bestimmter Größe hindurch können.

2. Enzyme und Transportproteine

Katalase, ein Enzym der Leber. Katalase besitzt wie viele typischen Enzyme Helix und Faltblattanteile.

GAPD (= Glycerinaldehydphosphat-Dehydrogenase) ist ein Enzym des Cytoplasmas im Energiegewinnungsstoffwechsel.

Es besteht aus 4 Untereinheiten und hat somit eine Quartärstruktur.

Die Carboanhydrase Abb. 40 katalysiert aus CO2 HCO3--Ionen, mit einem Zink-Atom im Zentrum, ist also ein Proteid.

(Proteid = Protein mit Nichteiweißanteil)

Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff, der den Sauerstoff transportiert, ein quartäres Proteid. Jede der 4 Untereinheiten besitzt ein Häm -Molekül (als prosthetische Gruppe) .

Eine prosthetische Gruppe ist ein nicht aus Aminosäuren bestehendes Molekül, das fest im Protein gebunden ist. Häm besitzt im Zentrum ein Eisen-Ion, an das der Sauerstoff gebunden wird.

Strukturproteine

Crystallin das Strukturprotein der Linse im Linsenauge. Bemerkenswert ist der fast symmetrische Aufbau aus 2 Hälften, obwohl nur eine Polypeptidkette vorliegt. Dies und die kristalline Anordnung führen zur Durchsichtigkeit der Augenlinse.

Kollagen ist ein Bindegewebsprotein, bestehend aus einer Tripelhelix. Ca. 1/3 der Aminosäuren sind Gly, ca 1/4 Prolin und Hydroxyprolin. Deshalb ist die Bildung einer a-Helix oder eines b-Faltblatts nicht möglich sondern es wird eine linksdrehende, gestreckte Helix gebildet.

Stabilisierende Bindungen

Bleibt die Frage, wodurch die unterschiedlichen Tertiär- und Quartärstrukturen in ihrer Konformation (räumlicheStruktur) stabil bleiben?

Die Antwort ergibt sich aus unserer Betrachtung der Sekundärstruktur und Tertiärstruktur. Es sind die Wasserstoffbrücken, die z.B. die Faltblattstruktur und Helices stabilisieren. In einem Protein findet man hunderte solcher H-Brücken (siehe Lysozym Abb. 45).

Es gibt aber noch weitere, stärkere Kräfte: die Disulfidbrücken und Ionischen Wechselwirkungen. Allgemein ergeben sich diese Wechselwirkung dadurch, daß in einem Protein sich die Reste der Aminosäuren in die Nähe kommen. Je nach Rest ergeben sich dann die entsprechenden Bindungen.

Disulfidbrücken

Im Lysozym-Molekül Abb. 45 sind 4 Disulfidbrücken eingezeichnet. Diese kommen dadurch zustande, daß sich 2 Cysteinreste mit ihrer SH-Gruppen gegenüberstehen. Dazwischen bildet sich nun eine kovalente Bindung ( -S-S-) unter Abspaltung von 2 H aus. Sie sind sehr häufig wie z. B. auch im oben schon erwähnten Oxytocin.

Ionische Wechselwirkungen

Zwischen sauren und basischen Resten wie z. B. der Carboxylgruppe von Glu oder Asp und dem basischen Rest von Arg oder Lys kann es wegen der Bildung von Ladungen zur elektrostatischen Anziehung kommen.

Dies nennt man ionische Wechselwirkungen (siehe Abb. 46).

Links ist ein Ausschnitt aus einem Chymotrypsinmolekül ( Verdauungsenzym im Darm) abgebildet. Darin sieht man die Wechselwirkung zwischen der Aminogruppe eines Argininrestes und der Carboxylgruppe eines Glutaminsäurerestes.

Auch zwischen hydrophoben Resten können sich solche Wechselwirkungen ausbilden.

1.2.4 Signalsequenzen zur Steuerung des Transports und der Lokalisierung

Proteine haben eingebaute "Signale"(= topogene Signale), die Ihren Transport und die Lokalisierung in der Zelle steuern. Für die Entdeckung und Erforschung dieses Sachverhalts erhielt G. Blobel 1999 den Nobelpreis. Diese Signale sind meist endständige Aminosäuresequenzen. Die verschiedenen Proteine einer Zelle (ca. 109) haben eine Vielzahl von Aufgaben, die sie an verschieden Orten der Zelle ausführen.


Die topogenen Signale der Proteine dienen dazu, mit den Ribosomen an bestimmte Membrankanäle zu gelangen, wodurch die Proteine dann in die Organellen eindringen können. Die Signalsequenz wird am Ende des Vorgangs abgespalten.

1.2.5 Proteine als Krankheitserreger

Bestimmte Proteine können je nach räumlicher Struktur Krankheiten hervorrufen. Man nennt solche infektiösen Proteine Prionen (= PrP = Prion Protein). Dies ist deshalb bemerkenswert, da Infektionskrankheiten normalerweise immer durch pathogene Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze und vor allem Viren als infektiöse Partikel hervorgerufen werden, d.h. die Infektion war immer an ein Genom(= Erbinformation) eines infektiösen Partikels gebunden.
Diese Proteine, die ca. 1985 Stanley B. Prusiner als Ursache einer gehirnzersetzenden Krankheit bei Tieren (Schafen, Hamstern) entdeckt hatte. Heute kennt man auch bei anderen Tieren (Rindern, Elchen u.a. ) und dem Menschen Krankheiten, die durch solche Prionen verursacht werden. Bei Schafen nennt man die Krankheit Scrapie, bei Rindern BSE (= ) beim Menschen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Diese Proteine existieren im Gehirn und Rückenmark (=ZNS).

Prionen kommen in 2 Konformationen vor:
einer normalen, nicht krankmachenden und einer pathogenen. Die normale PrP-Form mit Alpha-Helices geht in eine krankmachende PrP-Form mit b-Faltblatt-Anteil über. Krankmachende PrP können normale in krankmachende konvertieren. Sie wandern in Vesikeln entlang der Fortsätze der Nervenzellen (=Axone) und können durch Exozytose freigesetzt werden.

1.2.6 Abbau von Proteinen (Lysosomen, Proteasom)

2004 erhielten A. Ciechanover (Israel), A. Hershko (Israel) und I. Rose (USA)
den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung des Proteinabbaus in der Zelle. Dabei spielt ein kaum bekannter Proteinasekomplex, das Proteasom eine wichtige Rolle.

Extrazelluläre Proteine werden hauptsächlich in den Lysosomen abgebaut, intrazelluläre Proteine im Proteasom.

Das Proteasom besteht aus zwei Teilkomponenten, dem zylindrischen 20S Kernpartikel (oder auch 20S Proteasom) sowie einem 19S Cap-Partikel (RP), der an die Enden des 20S Kernpartikels (CP) andockt.die beiden Cap-Partikel sind die regulatorischen Komponenten, die ATPasen und eine Erkennungsstelle für das Protein Ubiquitin enthalten , das beim Proteinabbau ein wichtige Rolle spielt.

Der Gesamtkomplex, das sogenannte 26S Proteasom, wird als die biologisch aktive Einheit innerhalb der Zelle angesehen.

Im Proteasom werden defekte und gealterte Proteine hydrolysiert. Solche Proteine werden an Ubiquitin gekoppelt, ein 76 AS langes, überall vorkommendes Protein. Dadurch gelangt dies zum Proteasom. Das Proteasom bildet eine Art Fass, in das das abzubauende Protein durch das Ubiquitin hineingezogen wird. ATPasen im Innern entfalten unter ATP-Verbrauch das Protein. Threoninreste im Kern der fassförmigen Struktur bilden das aktive Zentrum wo die Proteine in ca. 8 AS lange Peptidfragmente zerlegt werden. Danach werden die benötigten Ubiquitinmoleküle wieder freigelassen.

Das Proteasom ist auch für die Prozessierung von Antigenen der Immunzellen verantwortlich.


Der gestörte Abbau bestimmter Proteine im Zusammenhang mit dem Proteasom spielt eine Rolle bei Gebärmutterhalskrebs, der Lungenkrankheit Mukoviszidose (Zystische Fibrose) und weiteren Krankheiten.

 

 

 

 

 

Klicken Sie auf die Abbildungen 21-24 für die 3D-Darstellungen

 

Abb. 33
Tertiärstrukturen


 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 34
Porin

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Abb. 35
Aquaporin 1




schneller Wassertransport durch Membranen in Niere, Auge und Erythrozyten mit 3 x 109 Moleküle/Sek.

 

Abb. 36
Katalase

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Abb. 37
Ferredoxin




Ferredoxin (oben), ein Redoxenzym mit Fe und Schwefel als Fremdatome im Protein, also ein Proteid.

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Abb. 38
Flavodoxin und das Retinol-binding-Protein (RBP)


Flavodoxin ist ein FAD-haltiges Redoxenzym und am Elektronentransport in der Zelle beteiligt. (FAD = Koenzym)

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RBP bindet Retinol (=Vitamin A) in den leberzellen und transportiert es zu anderen Zellen.

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Abb. 39
GAPD


Enzym mit 4 Untereinheiten (= Quartärstruktur) und Häm als Kofaktor

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Abb. 40
Cytochrom B 562

Cytochrom B562, ein Redoxenzym in den Mitochondrien und enthält den roten Farbstoff Häm als Nichteiweißanteil. Cytochrome sind Proteide.

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Abb. 42
Hämoglobin





Abb. 43
Bacteriochlorophyllprotein


Das Protein bei Bakterien, das die Photosynthesepigmente enthält.

Es bildet einen Hohlkörper aus einem Faltblatt.

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Abb. 44
Crystallin


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Abb. 45
Kollagen


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Abb. 45
stabilisierende Bindungen

 

 

 

 

 

Abb. 46
stabilisierende Bindungen


Disulfidbrücke

Ionische Wechselwirkung

elektrostatische Anziehung zwischen H des ArgRestes (weiß) und dem O des Glu-Restes (rot)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 47
Signalhypothese

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 48
Prionen

Links ist eine Animation der Konformationsänderung des Scrapie Prions zu sehen

 

 

 

 

Abb. 49
Proteasom

 

Abb. 50
Ubiquitin

Ubiquitin besteht aus 76 Aminosäuren und kommt in allen Zellen aller Organismen vor.

 

Weiterführende Quellen:

Komplette Proteinstruktur: http://www.cryst.bbk.ac.uk/PPS/course/index.html oder: http://info.bio.cmu.edu/courses/03231/ProtStruc/ProtStruc.htm oder http://www.biochem.arizona.edu/classes/bioc462/462a/mol/routines.html oder http://www.expasy.org/swissmod/course/text/chapter4.htm

Animation: Sekundärstruktur: http://stingray.bio.cmu.edu/~web/bc1/prot3d/superss.htm

Um Proteine aus der Brookhaven Datenbank zu suchen und anzuschauen gehen Sie zu:
http://www.rcsb.org/pdb/

Spezielle Animationen:
Hämoglobinstruktur: http://www.umass.edu/microbio/chime/hemoglob/#version
Ferredoxin (Proteid): http://www.protein.osaka-u.ac.jp/enzymology/Fd_Model/Fd_title.html
Prionen: http://www-micro.msb.le.ac.uk/335/Prions.html