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Tertiärstruktur, Quartärstruktur,
Proteide
Unter der Tertiärstruktur
versteht man die Wollknäuelstruktur
oder Globulärstruktur
der Proteine. Dies ist die typische Struktur eines großen
Teils der Proteine in der Zelle wie z. B. der Enzyme. Eine Tertiärstruktur
enthält meist Sekundärstrukturen wie Helix und Faltblatt.
Es gibt kaum Proteine mit Tertiär- aber ohne Sekundärstrukturen.
Betrachten wir nun einige typische Tertiärstrukturen:

Die Abbildung 32
zeigt die Vielfalt und Einzigartigkeit jeder Tertiärstruktur.
Wir wollen nun einige besondere Proteine herausgreifen und die Tertiärstruktur
näher besprechen.
1. Membranproteine
Porin, ein
Protein aus der Membran bestimmter Bakterien. Es dient als Ionenkanal.

Es besteht nahezu vollständig aus der Faltblattstruktur
und bildet eine Röhre, durch die Ionen mit bestimmter Größe
hindurch können.
2. Enzyme und Transportproteine
Katalase,
ein Enzym der Leber. Katalase besitzt wie viele typischen Enzyme
Helix und Faltblattanteile.


GAPD (= Glycerinaldehydphosphat-Dehydrogenase)
ist ein Enzym des Cytoplasmas im Energiegewinnungsstoffwechsel.
Es besteht aus 4 Untereinheiten und hat somit
eine Quartärstruktur.
Die Carboanhydrase
Abb. 40 katalysiert aus CO2
HCO3--Ionen, mit einem Zink-Atom
im Zentrum, ist also ein Proteid.
(Proteid = Protein
mit Nichteiweißanteil)
Hämoglobin,
der rote Blutfarbstoff, der den Sauerstoff transportiert, ein quartäres
Proteid. Jede der 4 Untereinheiten besitzt ein Häm -Molekül
(als prosthetische Gruppe) .
Eine prosthetische
Gruppe ist ein nicht aus Aminosäuren bestehendes Molekül,
das fest im Protein gebunden ist. Häm besitzt im Zentrum ein
Eisen-Ion, an das der Sauerstoff gebunden wird.
Strukturproteine
Crystallin
das Strukturprotein der Linse im Linsenauge. Bemerkenswert ist
der fast symmetrische Aufbau aus 2 Hälften, obwohl nur eine
Polypeptidkette vorliegt. Dies und die kristalline Anordnung führen
zur Durchsichtigkeit der Augenlinse.
Kollagen
ist ein Bindegewebsprotein, bestehend aus einer Tripelhelix. Ca.
1/3 der Aminosäuren sind Gly, ca 1/4 Prolin und Hydroxyprolin.
Deshalb ist die Bildung einer a-Helix oder eines b-Faltblatts nicht
möglich sondern es wird eine linksdrehende, gestreckte Helix
gebildet.
Stabilisierende Bindungen
Bleibt die Frage, wodurch die unterschiedlichen
Tertiär- und Quartärstrukturen in ihrer
Konformation
(räumlicheStruktur) stabil bleiben?
Die Antwort ergibt sich aus unserer Betrachtung
der Sekundärstruktur und Tertiärstruktur. Es sind die
Wasserstoffbrücken,
die z.B. die Faltblattstruktur und Helices stabilisieren. In einem
Protein findet man hunderte solcher H-Brücken
(siehe Lysozym Abb. 45).
Es gibt aber noch weitere, stärkere Kräfte:
die Disulfidbrücken
und Ionischen
Wechselwirkungen. Allgemein ergeben
sich diese Wechselwirkung dadurch, daß in einem Protein sich
die Reste der Aminosäuren in die Nähe kommen. Je nach
Rest ergeben sich dann die entsprechenden Bindungen.
Disulfidbrücken
Im Lysozym-Molekül Abb.
45 sind 4 Disulfidbrücken
eingezeichnet. Diese kommen dadurch zustande, daß sich
2 Cysteinreste mit ihrer SH-Gruppen gegenüberstehen. Dazwischen
bildet sich nun eine kovalente Bindung ( -S-S-) unter Abspaltung
von 2 H aus. Sie sind sehr häufig wie z. B. auch im oben schon
erwähnten Oxytocin.

Ionische Wechselwirkungen
Zwischen sauren und basischen Resten wie z.
B. der Carboxylgruppe von Glu
oder Asp und
dem basischen Rest von Arg
oder Lys kann
es wegen der Bildung von Ladungen zur elektrostatischen Anziehung
kommen.
Dies nennt man ionische
Wechselwirkungen (siehe Abb. 46).
Links ist ein Ausschnitt aus einem Chymotrypsinmolekül
( Verdauungsenzym im Darm) abgebildet. Darin sieht man die Wechselwirkung
zwischen der Aminogruppe eines Argininrestes
und der Carboxylgruppe eines Glutaminsäurerestes.
Auch zwischen hydrophoben Resten können sich
solche Wechselwirkungen ausbilden.
1.2.4 Signalsequenzen
zur Steuerung des Transports und der Lokalisierung
Proteine haben eingebaute "Signale"(=
topogene Signale), die Ihren
Transport und die Lokalisierung in der Zelle steuern. Für die
Entdeckung und Erforschung dieses Sachverhalts erhielt G.
Blobel 1999 den Nobelpreis. Diese Signale sind meist endständige
Aminosäuresequenzen. Die verschiedenen Proteine einer Zelle
(ca. 109) haben eine Vielzahl von Aufgaben, die sie an
verschieden Orten der Zelle ausführen.
Die topogenen Signale der Proteine dienen dazu, mit den Ribosomen
an bestimmte Membrankanäle zu gelangen, wodurch die Proteine
dann in die Organellen eindringen können. Die Signalsequenz
wird am Ende des Vorgangs abgespalten.
1.2.5 Proteine als Krankheitserreger
Bestimmte Proteine können je nach räumlicher
Struktur Krankheiten hervorrufen. Man nennt solche infektiösen
Proteine Prionen (=
PrP = Prion Protein). Dies ist deshalb bemerkenswert, da
Infektionskrankheiten normalerweise immer durch pathogene Mikroorganismen
wie Bakterien, Pilze und vor allem Viren als infektiöse Partikel
hervorgerufen werden, d.h. die Infektion war immer an ein Genom(=
Erbinformation) eines infektiösen Partikels gebunden.
Diese Proteine, die ca. 1985 Stanley B. Prusiner als Ursache einer
gehirnzersetzenden Krankheit bei Tieren (Schafen, Hamstern)
entdeckt hatte. Heute kennt man auch bei anderen Tieren (Rindern,
Elchen u.a. ) und dem Menschen Krankheiten, die durch
solche Prionen verursacht
werden. Bei Schafen nennt man die Krankheit Scrapie,
bei Rindern BSE (= ) beim Menschen
die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.
Diese Proteine existieren im Gehirn und Rückenmark (=ZNS).

Prionen kommen in 2 Konformationen vor:
einer normalen, nicht krankmachenden und einer pathogenen.
Die normale PrP-Form mit Alpha-Helices
geht in eine krankmachende PrP-Form mit b-Faltblatt-Anteil
über. Krankmachende PrP können normale in krankmachende
konvertieren. Sie wandern in Vesikeln entlang der Fortsätze
der Nervenzellen (=Axone) und können durch Exozytose
freigesetzt werden.
1.2.6 Abbau von Proteinen (Lysosomen,
Proteasom)
2004 erhielten A. Ciechanover (Israel), A. Hershko
(Israel) und I. Rose (USA)
den Nobelpreis für Chemie für die Entdeckung des Proteinabbaus
in der Zelle. Dabei spielt ein kaum bekannter Proteinasekomplex,
das Proteasom eine wichtige
Rolle.
Extrazelluläre
Proteine werden hauptsächlich in den Lysosomen
abgebaut, intrazelluläre Proteine im
Proteasom.
Das Proteasom besteht aus zwei Teilkomponenten,
dem zylindrischen 20S Kernpartikel (oder auch 20S
Proteasom) sowie einem 19S Cap-Partikel (RP), der an die
Enden des 20S Kernpartikels (CP) andockt.die beiden Cap-Partikel
sind die regulatorischen Komponenten, die ATPasen und eine Erkennungsstelle
für das Protein Ubiquitin
enthalten , das beim Proteinabbau
ein wichtige Rolle spielt.
Der Gesamtkomplex, das sogenannte 26S
Proteasom, wird als die biologisch aktive Einheit innerhalb
der Zelle angesehen.
Im Proteasom
werden defekte und gealterte Proteine hydrolysiert. Solche Proteine
werden an Ubiquitin gekoppelt,
ein 76 AS langes, überall vorkommendes Protein. Dadurch gelangt
dies zum Proteasom. Das Proteasom
bildet eine Art Fass, in das das abzubauende Protein durch das Ubiquitin
hineingezogen wird. ATPasen im Innern entfalten unter ATP-Verbrauch
das Protein. Threoninreste im Kern der fassförmigen Struktur
bilden das aktive Zentrum wo die Proteine in ca. 8 AS lange Peptidfragmente
zerlegt werden. Danach werden die benötigten Ubiquitinmoleküle
wieder freigelassen.
Das Proteasom
ist auch für die Prozessierung von Antigenen der Immunzellen
verantwortlich.

Der gestörte Abbau bestimmter Proteine
im Zusammenhang mit dem Proteasom spielt eine Rolle bei Gebärmutterhalskrebs,
der Lungenkrankheit Mukoviszidose (Zystische Fibrose) und weiteren
Krankheiten.
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