| 1.5 Genetik von Bakterien und Viren |
|
||||||||||||||||||||||
| 1.5.2 Resistenz | |||||||||||||||||||||||
|
Antibiotischer Empfindlichkeitstest Zwei Petrischalen werden jeweils mit Staphylococcus albus (unten links, weiß) und Micrococcus luteus (unten rechts, gelb) beimpft. Danach werden Papierringe aufgelegt, die farbige Scheiben mit verschiedenen Antibiotika getränkt besitzen.
Die Antibiotika von oben (V) sind im Uhrzeigersinn: Novobiocin, Penicillin G, Streptomycin (weiße Scheibe), Tetracyclin, Chloramphenicol, Erythromycin, Fusidinsäure (grüne Scheibe) und Methicillin. Um die meisten Scheiben zeigen sich klare Zonen ohne bakterielles Wachstum, sogenannte Hemmhöfe. Staphylococcus aureus sind Gram + Bakterien und Teil der menschlichen Mikroflora. (aureus bedeutet goldgelb, da meist die Kolonien gelb gefärbt sind) Die Bakterien vermehren sich in Hautpickeln, Entzündungen, bei Erkältungen im Nasen-Rachenraum und wachsen am besten bei Körpertemperatur. Auch vermehren sie sich rasch in proteinhaltiger Nahrung und bilden als Giftstoff ein Enterotoxin, das Magen- und Darmschleimentzündung verursacht. Symptome sind Erbrechen und Durchfall. Kochen vernichtet S. aureus aber nicht das Toxin. Alle Antibiotika besitzen im menschlichen Körper relativ kurze Halbwertszeiten von 1-12 Stunden und werden durch die Niere ausgeschieden. Einige führen aufgrund ihres Wirkmechanismus (z.B. Translationshemmung) zu Nebenwirkungen, da auch bei eukaryontischen Zellen ihre Wirkung einsetzt. Bakterielle Resistenz Schon kurze Zeit, nachdem man in den Kliniken Antibiotika einsetzte (ca. 1945) entdeckte man resistente Staphylococcus aureus Stämme, also solche, die gegen Penicillin unempfindlich waren. Die Resistenz wuchs mit der steigenden Verabreichung von Antibiotika. Die Industrie erfand neue Antibiotika, kurze Zeit später fand man Stämme, die resistent dagegen waren. Als man 1980 in den USA Flouroquinolone einführte, wurden 95 % der bisher Methicillin-resistenten S. aureus -Stämme vernichtet. Nach einem Jahr berichteten die Gesundheitsämter, daß 80 % dieser Stämme resistent geworden seien. Heute sollen weltweit 95% aller S. aureus-Stämme resistent gegen Penicilline und andere Antibiotika sein.
Bisher sind in der Bundesrepublik Staphylococcus aureus-Stämme mit verminderter Empfindlichkeit oder Resistenz gegen Glyokopeptide jedoch nicht aufgetreten. RKI;6/97; ttp://www.rki.de/PRESSE/TH_FR.HTM) Auch in der Tiermast verwendet man Antibiotika um die Tiere gesundzuhalten (Tetracycline, Penicilline, Neomycin, Flouroquinolone ). Hühnchen, die aus Eiern geschlüpft waren, fütterte man geringe Mengen Tetracycline. Nach 1-2 Tagen fand man Tetracyclin-resistente E. Coli-Bakterien in ihren Exkrementen. Der Mensch nimmt z.B. glykopeptidresistente Enterokokken über kontaminierte Nahrungsmittel auf (Hackfleisch, Hühnchen, Puten) Zwei der wichtigsten Antibiotika-resistenten Bakterien sind Methicillin-resistente S. aureus (MRSA) und Vancomycin-resistente Enterococci (VRE). Vancomycin ist oft der letzte Ausweg bei multiresistenten S. aureus, Pneumococcus und Enterococci. Doch auch hier haben sich schon resistente Stämme entwickelt, was in einigen Fällen zum Tod der Patienten geführt hat. Vancomycin Vancomycin ist ein Glycopeptid aus Streptomyces Orientalis. Es ist bakterizid und gegen die meisten Gram(+) Bakterien wie Streptococcen, Corynebacterien, Clostridien, Listeria, und Bacillus Species wirksam. Auch Staphylococcen, die ß-Lactamase produzierenden und Methicillin resistenten Species eingeschlosssen werden abgetötet. Resistenz-Mutanten sind selten, mit Ausnahme von Enterococcus faecalis (VRE). Vancomycin tötet Bakterien hauptsächlich durch Verhinderung der Zellwandsynthese. Dabei wird auch die Membran beschädigt und die RNA-Synthese gestört. Die Resistenz kann verschiedene Ursachen haben: Natürliche Resistenz:
ein Antibiotika resistent, da sie ein Gen besitzen, das für die Resistenz gegen Ihr eigenes Antibiotikum verantwortlich ist.
Erworbene Resistenz
Normalerweise beträgt die Mutationsrate für die meisten bakteriellen Gene 10-8, d.h. unter 108 Zellen ist eine mit einem mutierten Gen. Eine solche Population entsteht in ca. 15 Minuten. Berücksichtigt man, daß z. B. bei einer Epidemie einer Infektionskrankheit die Gesamtzahl aller Bakterien >1030 liegt und gewichtet auch noch das exponentielle Anwachsen der Erdbevölkerung, ist klar, daß die Wahrscheinlichkeit für das Entstehen von resistenten Bakterien ständig steigt.
Die Selektion im Darwinschen Sinn ist der Einsatz der Antibiotika, denn sie begünstigen die Entstehung eines resistenten Stamms durch Schaffung neuer Wachstums- und Nahrungsräume für diese Bakterien. Alle nichtresistenten Zellen werden ja abgetötet, was optimale Bedingungen für die resistenten Spezies schafft. Die Antibiotika-Aufnahme des Menschen wird indirekt durch die Verwendung von Antibiotika in der Tiermast und im Pflanzenanbau erhöht. Verstärkt wird dieser Effekt noch dadurch, daß Resistenzgene durch 3 Mechanismen in nicht-resistente Zellen gelangen können: Transformation (1), Konjugation (2) und Transduktion (3) durch Phagen. Bei der Transformation nehmen Bakterien Resistenzgene aus ihrer Umgebung auf, z.B. von toten resistenten Zellen. Durch Konjugation können Resistenzgene, die auf einem Plasmid sind in eine nicht-resistente Empfängerzelle übertragen werden. Phagen könne durch ihren Vermehrungszyklus auf resistenten Bakterien deren Resistenzgen mitnehmen und auf nichtresistente Zellen übertragen (Transduktion).
Die kombinierten Effekte der hohen Wachstumsraten, hohen Zellkonzentrationen, Mutation und Selektion und die Fähigkeit des Genaustauschs führen zu einer großen Adaptations- und Evolutionsrate bei den Bakterien. Resistenzmechanismen Bakterien benutzen verschiedene Techniken um sich gegen Antibiotika zu schützen.
Die Mechanismen sind in der Abb. 113 links dargestellt. Gegen Penicilline oder Cephalosporine resistente Bakterien besitzen eine b -Lactamase oder Penicillinase , die das Antibiotikum spaltet ( siehe unten).
Einige bekannte Wirkmechanismen sind in der unteren Tabelle
zusammengestellt. |
|
||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zusammenfassung der Resistenzproblematik für den Menschen Es gibt heute Tausende von natürlichen und synthetischen
Antibiotika gegen allgemeine und spezifische Erreger. Die unkontrollierte
Gabe von Antibiotika in den letzten 50 Jahren hat zu einer starken Resistenzentwicklung
bei krankheitserregenden Bakterien geführt. Dies ist ein Eingriff in die evolutiven Prozesse bei Mikroorgansimen. Deshalb müssen die Verabreichung von Antibiotika bei der Tiermast und der Therapie von Infektionskrankheiten sinnvoll eingeschränkt und unkontrollierter Einsatz in der Gentechnik unterbunden werden. Ansonsten hat der Mensch die Chancen der Kontrolle der Infektionskrankheiten durch Antibiotika verspielt und muß sich andere Möglichkeiten ausdenken. Synthetische Antibiotika In USA und Europa wurden bis 2001 neue synthetische Antibiotika wie Linezolid (Zyvoxid) aus der Gruppe der Oxazolidinone gegen Gram-(+), multiresistente Bakterien zugelassen. Man fand Wirkung in Fällen, wo selbst Vancomycin erfolglos war. Der Wirkungsmechanismus ist noch nicht genau geklärt. Linezolid blockt die Proteinsynthese gleich zu Beginn in der Initiation an der ribosomalen 50s-Einheit.
Azithromycin (ZITHROMAX, 1993) ist der erste und bisher einzige Vertreter der Azalide - einer Gruppe von Antibiotika, die durch partialsynthetische Modifikation der Makrolide hergestellt werden. Azithromycin erfasst eine Vielzahl aerober und anaerober grampositiver und gramnegativer Erreger. Atazanavir wurde 2004 als ein neuer Protease-Inhibitor gegen das HI-Virus zugelassen. Das HI-Virus benötigt für seine Ausbreitung eine Reihe von Proteinen, die bei der Vermehrung zunächst in Form von Vorläufer-Proteinen synthetisiert werden. Die anschließende Zerschneidung dieser Vorläufer-Proteine erfolgt durch eine spezifisch wirksame virale Protease, welche die Peptidbindung zwischen zwei Aminosäuren spalten kann.
Aufgrund der hohen Spezifität der Protease bietet das aktive Zentrum dieses Enzyms einen geeigneten Angriffspunkt für antiretrovirale Wirkstoffe. Durch die Herstellung von Substanzen, die Peptid-ähnliche Strukturen aufweisen, ist es bekanntlich gelungen, Virustatika zu entwickeln, die einerseits eine hohe Affinität zum katalytischen Zentrum der HIV-Protease aufweisen; da sie andererseits jedoch chemisch modifizierte Peptidbindungen aufweisen, die nicht gespalten werden können, resultiert eine Inhibition der Protease. |
|
|
Weiterführende Quellen:
|