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Die bisher besprochenen Vorgänge um die Verdopplung des Erbguts (Replikation) und die Realisierung der genetischen Information (Transkription, Translation) sind alle höchst kompliziert und bedürfen eines gewaltigen Aufwandes an Energie und Material in der Zelle. Dabei geschehen spontan Fehler. Spontane oder induzierte Änderungen des Erbgutes werden als Mutationen bezeichnet. Wird z.B. ein Gen falsch abgeschrieben, ensteht ein modifiziertes oder sogar defektes Protein, was sich in einem veränderten Stoffwechsel oder als Krankheit äußert. Man nennt solche Mutationen Genmutationen. Sichelzellanämie als Genmutation In Abb. 77 ist das Hämoglobin-Molekül abgebildet. Eine Genmutation im Gen der ß-Kette sorgt für eine veränderte Hämoglobinstruktur, sichelzellartig verformte Erythrocyten (siehe Abb. 77) und eine schlechte O2-Speicherung. Man bezeichnet diese Krankheit als Sichelzellanämie. Sie tritt fast nur bei der schwarz-afrikanischen Bevölkerung auf. In den USA kann man die Häufigkeit des Auftretens der Abbildung entnehmen. Bei der schwarzen Bevölkerung tritt sie homozygot
1:400 und heterozygot 1:12 auf. In den Malariagebieten
Afrikas findet man sehr häufig die heterozygote Form, da die Sichelform
der Erythrozyten den Infektionszyklus des Malaria-Erregers
behindert und so dem Merkmalsträger eine Resistenz verliehen wird.
Genetische Ursache:
Bei der Sichelzellanämie ist in der b-Kette in Position 6 die Base A (GAG = Glutaminsäure) gegen T (GTG = Valin) ausgetauscht. Das Hämoglobin besitzt deshalb eine andere Konformation. Man bezeichnet eine solche Änderung nur einer Base als Punktmutation. Man spricht ebenfalls von einer Fehlsinn-Mutation, da die genetische Information. geändert wurde.
Brustkrebs als Genmutation Brustkrebs (Mammakarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Brust, der gewöhnlich in in den Geweben der Milchdrüsenkanäle oder -drüsenläppchen entsteht. Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebsart und auch die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. Jeder vierte bösartige Tumor bei Frauen ist Brustkrebs. Jährlich erkranken 43.000 Frauen uns ca. 400 Männer an Brustkrebs. Bundesweit starben 2001 ca. 19.000 Frauen an Brustkrebs. 60 Prozent der Erkrankungen erfolgen erst nach dem 60. Lebensjahr. Alle Tumoren der Brust können grob in Milchgangskarzinome, auch duktales Karzinom, und in Läppchenkarzinome auch lobuläres Karzinom unterschieden werden. (siehe Abb. 80) Nachfolgend einige häufige Karzinome:
5 -10 % der Brustkrebserkrankungen sind erblich und
werden durch autosomal dominante
Mutationen in bestimmten Genen wie BRCA1
(Chromosom 17) oder BRCA2
(Chromosom 13) verursacht. Diese Gene werden auch Tumor
- Suppressor-Gene genannt. (Suppressor = Unterdrücker)
Das BRCA1-Gen wurde 1990 entziffert. Es besteht aus 5,592
Nucleotiden verteilt in 24 Exons verteilt in 81 Kilobasen (kb) DNA. Das
Genprodukt (Protein) ist 1863 Aminosäuren lang und bindet Zink. Es
spielt eine wichtige Rolle im Zellzyklus im Zusammenhang mit Genaktivierung
und DNA-Reparatur. Das BRCA2-Gen wurde 1994 identifiziert, besteht aus 11,385 Nucleotiden in 27 Exons verteilt in 70 kb des Chromosoms 13. Das Genprodukt besteht aus 3418 Aminosäuren. Es ist an der DNA-Reparatur von Chromosomenpaaren bei Strangbrüchen beteiligt. Eine Mutation oder ein Ausfall führt zu Krebs, in anderen Zellen als des Brustgewebes führt ein Defekt zu Eierstockkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Man kennt heute über 235 Mutationen in BRCA1 und mehr als 100 Mutationen im BRCA2-Gen.
In Abb. 84 ist das Krebsrisiko für 3 Mutationen im BRCA1-Gen zusehen. Ein Ausfall oder eine Beschädigung der an der DNA-Reparatur beteiligten Gene führt also immer mit steigendem Alter zu einer Zunahme des Krebsrisikos. Ein Strangbruch vor dem p53-Gen und der Ausfall der BRCA-Gene sorgt für unkontrollierte DNA-Replikation und Zellwachstum (Tumor), Anhalten des Zellzyklus in der G1-Phase und der Apoptose.
Viele weitere Krankheiten bei Mensch, Tier und Pflanze beruhen auf Genmutationen: Sichelzellanämie, Phenylketonurie, Alkaptonurie, Albinismus, Zellweger Syndrom, Marfan Syndrom usw. Doch nicht immer wirkt sich eine Genmutation negativ aus. HIV-Resistenz als Genmutation
Der CCR5-Rezeptor gehört zu den G-Protein gesteuerten 7-Helix-Transmembran-Rezeptoren, die bei Immunreaktionen für die Signalübertragung mit Chemokinen (z.B. Interleukine) notwendig sind. Die Stimulation über diesen Rezeptor lösen bei Neutrophilen, Basophilen, Eosinophilens, Lymphocyten und Makrophagen eine Wanderung zum Infektionsort aus. Nachfolgend ist die Situation dargestellt. |
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Das HIV-Virus benötigt zu seiner Infektion neben dem CD4-Rezeptor u.a. den CCR5 Korezeptor. Normalerweise besitzt der Mensch homozygot 2 Kopien des CCR5-Gens, das für den CCR5-Rezeptor verantwortlich ist. Er ermöglicht mit dem CD4 zusammen die Adsorption und Infektion (a). Nun gibt es einige Individuen, die bezüglich diese Gens einen homozygoten Defekt zeigen, d.h. beide Gene sind defekt und führen zu einem defekten Protein (b), das keine Infektion ermöglicht (c). Aus der Gendatenbank können wird die Sequenz des
CCR5-Gens entnehmen (komplementäre DNA-Sequenz; entspricht der mRNA
des Gens mit T statt U) Nukleotidsequenz des CCR5 Gens:
Das mutierte Gen CCR5 Mutant hat folgende Sequenz:
Der Nukleotidvergleich zeigt, daß ungefähr ab der Mitte des Gens die Sequenz verändert ist und dann ganz fehlt. Man nennt solche Löschungen von Teilen von Genen oder Chromosomen Deletion. Neben der Deletion gibt es noch andere Genmutationstypen. Wir wollen uns deshalb nocheinmal das menschliche Hämoglobingen genauer betrachten. Hier treten u.a. in der Beta-Kette verschiedene Mutationen auf.
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Die Sichelzellanämie als Punkt- oder Fehlsinnmutation hatten wir schon besprochen. Bei der Thalassämie werden zu wenig intakte Betaketten des Hämoglobins gebildet, da die Proteinproduktion durch die Rastermutation abbricht und zu einem defekten Protein führen. Die Folge sind deformierte rote Blutkörperchen, Sauestoffmangel und viele organische Defekte. Sie kann entweder durch eine Nonsens-Mutation oder eine Rastermutation verursacht werden. Bei der Nonsens-Mutation entsteht ein Stop-Codon, was zu einem Abbruch der Proteinsynthese und einem unvollständigen und nicht-funktionierenden Hämoglobin führt. Bei der Rastermutation fehlen zwei Basen (AA), was das Triplett-Raster so verschiebt, daß total andere Codogene entstehen und damit falsche Aminosäuren eingebaut werden, was ebenfalls zu einem defekten Hämoglobin führt. Die Thalassämie kann die a-Kette ( a-Thalassämie) oder die b-Kette ( b-Thalassämie) des Hämoglobins betreffen.
Das Hämoglobin besitzt bekanntlich 2 a-Ketten und 2 b-Ketten (siehe oben). Das Gen für die b-Kette sitzt auf dem Chromosom 11. Das Chromosom 16 besitzt 2 Gene für die a-Ketten. Thalassämie entsteht, wenn ein Hämoglobingen defekt ist. Eine leichte Anämie und verkleinerte Erythrozyten treten erst auf, wenn 2 Gene defekt sind. Der Ausfall aller 4 Globin-Gene führt zum embryonalen Tod. a-Thalassämie tritt vornehmlich in Asien und Afrika auf. Zusammenfassung der Genmutatationen Der häufigste Mutationstyp sind Basenpaarungs-Mutationen. Er tritt auf, wenn eine Base ausgetauscht wird, was zu einer falschen Basenpaarung führt, z.B. A wird zu G oder T zu C. Die Folgen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt.
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Genommutation Auch bei der Verteilung der Chromosomen bei der Zellteilung können Fehler auftreten, z. B. können die Chromosomen ungleichmäßig auf die neuen Zellen verteilt werden. Eine der neu entstandenen Zellen besitzt nun 1 Chromosom zuviel. In Abb. 89 ist ein solcher Fall abgebildet, das Karyogramm eines Menschen mit dem Karyotyp (47, XY, t21). Diese Erbkrankheit hat Folgen für den gesamten Organismus. Man nennt das Krankheitsbild Down-Syndrom (siehe Abb. 90). Die Krankheit tritt bezüglich der lebend geborenen 1:700 auf. Da bei dieser Krankheit die Anzahl der Chromosomen betroffen ist, bezeichnet man diese Form der Mutationen als Genommutationen. Chromosomenmutation Als dritten Typ Mutation findet man in vielen Organismen Änderungen der Chromosomenform, z.B. ein verkürztes oder ein ringförmiges Chromosom. Solche Mutationen nennt man Chromosomenmutationen. Die Abb. 91 zeigt eine Verkürzung des Chromosoms (Deletion) und eine Zyklisierung. Bei Drosophila ist z.B. die Bar-Mutante, die eine veränderte Augenform besitzt auf eine Deletion der Bar-Gene zurückzuführen. (siehe Abb. 91) Insgesamt kennt man also 3 Mutationsformen:
Im Kapitel klassische Genetik werden Genommutationen und Chromosomenmutationen ausführlich behandelt.
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