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Übergang Tier - Mensch
Zu Beginn des Tertiärs ( vor 65 MJ) entwickelten
sich die ersten Primaten. Die Welt sah damals noch anders
aus. Nordamerika war mit Europa verbunden aber nicht mit Südamerika.
Indien war noch kein Teil Asiens und Australien lag in der Nähe
der Antarktis. Fast die gesamte Landmasse hatte tropisches oder
subtropisches Klima.
Diese Protoprimaten
waren den Eichhörnchen ähnliche, baumlebende Nachttiere,
die in warmem, feuchtem Klima lebten. Sie waren gute Kletterer mit
besonders gut ausgebildeten Augen und besaßen Pfoten und Klauen.
Die ersten affenartigen Primaten lebten im Oligozän
vor ca. 34 Millionen Jahren. Man fand Fossilien in Ägypten,
China und Amerika. Einer dieser frühen Affen war Aegyptopithecus.(siehe
Abb. 71) Er war in etwa so groß
wie eine Katze und ein baumlebender Allesfresser. Im Oligozän
fanden größere geologische Änderungen statt. (gehen
Sie mit der Maus auf die Abb. 71,
um mehr zusehen)
Im Miozän (23- 5 MJ) ging die Veränderung
der Erde weiter. Ein Großteil der Regenwälder in Afrika
und Asien verschwand zugunsten von Graslandschaften.
Daraus erwuchsen neue Selektionsdrücke und als Folge entwickelten
sich die Vorfahren der Menschenaffen.
Eine Gruppe dieser Affen, die sich an das Leben am Rand der Savannen
anpaßten und in der direkten Reihe unserer Vorfahren stehen
war Dryopithecus (siehe Abb.
72). Aus diesen Primaten entwickelten sich im späten
Miozän (vor ca. 5 MJ) die Hominiden. (gehen Sie mit
der Maus auf die Abb. 72, um mehr
zusehen)
Fossile Hominiden,
Australopithecinae
Einer der bisher ältesten Funde eines Hominiden
( ca. 7 Millionen Jahre) wurde 2002 im Tschad gemacht, ein Schädel
des Sahelanthropus tchadensis mit menschlichen
Gesichtseigenschaften und der Größe eines Schimpansen.
Er weist eine Mischung primitiver und höherer
Merkmale auf mit einer Verwandschaft zu den Schimpansen und Menschen.
Das Schädelvolumen betrug ca. 350 ccm. Die schwache Schnauzenbildung
und kleine Eckzähne deuten auf einen Menschen hin.
Spätere Funde von Hominiden vor ca. 5 Millionen
Jahren erfolgten in Ostafrika. Man hat inzwischen über 500
Knochen dieser Australopithecines
gefunden. Ab 3 Millionen Jahre waren sie auch in Südafrika
zu finden. Die afrikanischen Wälder schrumpften damals und
trockene Graslandschaften breiteten sich aus. In dieser Umgebung
könnte der aufrechte Gang eine Vorteil gewesen sein.
1995 fand Meave Leakey nahe dem Turkanasee in Kenia Überreste
einer 4,15 MJ alten Australopithecus-Spezies, die sie Australopithecus
anamensis nannte.(siehe Kiefer in Abb.
74)

Die Australopithecines entwickelten sich
weiter. Man geht heute von insgesamt 6 Spezies aus:
- Australopithecus anamensis
- Australopithecus afarensis
- Australopithecus africanus
- Australopithecus robustus (oder Paranthropus
robustus)
- Australopithecus boisei (oder Paranthropus
boisei)
- Australopithecus aethiopicus (oder Paranthropus
aethiopicus)
Die ältesten Australopithecus
afarensis-Spezies lebten vor 4 Millionen Jahren. Daraus
entwickelten sich vor 3 Millionen Jahren Australopithecus
africanus und vor 2,5 Millionen Jahren Australopithecus
äthiopicus und später Australopithecus
boisei. Aus A. africanus entstand vor 2 Millionen Jahren
die robuste Form Australopithecus
robustus, die vor 1 Million Jahren ausstarb. Gleichzeitig
hatten sich neue Hominiden entwickelt, die Gattung Homo,
aus der der heutige Mensch entstanden ist.

Links sind alle Fundstätten der
Australopithecines verzeichnet. Wie man sieht lebten sie
nur in Ost- und Südafrika. Dabei entwickelten sie sich in eine
Linie mit grazilem Körperbau (A. afarensis und A. africanus)
und einer robusten Linie mit A. robustus, boisei und aethiopicus.
Die Linie mit A.
afarensis und A. africanus sind die Vorfahren
des moderneren Menschen.
1974 wurde ein zu 40% erhaltenes Skelett von Australopithecus
afarensis gefunden das unter dem Lucy weltbekannt wurde (siehe
Abb. 77). Es wurde auf 3,2 MJ datiert.
Inzwischen hat man weitere Skelette davon gefunden. Links unten
ein Schädel von Australopithecus afarensis. Dieser hatte einen
schmalen sagitalen Kamm. Die weiblichen A. afarensis waren wesentlich
kleiner wie die männlichen. Sie waren die ersten bipedalen
Hominiden.
Die zweite grazile Spezies entdeckte 1924 Raymond
Dart, ein australischer Anatomieprofessor an der Universität
von Johannesburg, Südafrika in Form eines fossilen Schädels.
Er nannte die Spezies Australopithecus africanus. Es waren die Überreste
eines eines 3-4 Jahre alten Kindes. (siehe Abb.
78 unten)

Inzwischen hat man viele weitere Skelettteile
von Australopithecus africanus gefunden daneben aber auch solche
mit größeren Knochen und kräftigeren Kiefern. Robert
Broom, der sie zwischen 1936 und 1949 entdeckt hatte nannte
sie Australopithecus robustus.
Eine noch robustere Form wurde 1959 von Louis und
Mary Leakey gefunden: Australopithecus boisei. Wenig weiß
man über Australopithecus
aethiopicus, .der
vor 2,5 MJ lebte.
Die robusten
Formen hatten alle einen sagitalen Kamm (siehe unten),
waren massiger, größer und besaßen stärkere
Muskeln. Daneben ernährte sie sich vegetarisch von harten Nüssen
und Samen usw. Die grazilen A. afarensis
und A.
africanus dagegen müssen sich aufgrund der Zahnanalyse
von weicher Nahrung ernährt haben.

Schon vor 3 Millionen Jahren bewegten
sich die Australopithecines genau so effizient auf zwei Beinen wie
der heutige Mensch. Ihre Hüftknochen waren wie beim heutigen
Menschen verkürzt und schalenförmig. (siehe Abb.
80) Dies unterstützte den aufrechten Gang, indem es
den inneren Organen Halt gibt. Die längere Hüftpfanne
der Schimpansen ist eher für die 4-füßige Fortbewegung
angepaßt.

Diese Schlußfolgerung ergibt
sich auch aus der vergleichenden Anatomie der Vordergliedmaßen
(Füße siehe Abb. 81).
Das Fußskelett der Australopithecines ähnelt dem der
Menschen stark.

Die zweibeinige Fortbewegung war vermutlich
eine Anpassung an die offenen Graslandschaften des ausgehenden Tertiärs.
Man konnte besser in die Ferne sehen um neue Nahrung oder mögliche
Feinde auszumachen. der aufrechte Gang half, den Wärmehaushalt
zu kontrollieren, da die direkte Einstrahlung minimiert und die
Abgabe verbessert wurde.
Im Laufe der Evolution wurden die Beine der Australopithecines
länger als ihre Arme und Ihre Hände entwickelten sich
dahingehend, daß sie Objekte besser begreifen konnten.

Die Skelettanatomie der späten
Australopithecines entsprach ziemlich der des heutigen Menschen
mit Ausnahme des Schädels. Der erwachsene Australopitehcus
hatte ein Gehirnvolumen von nur 1/3 (= 400-500 ccm) des heutigen
Menschen.Als Folge davon war der größte Teil des Schädels
unterhalb des Gehirns und das Gesicht war groß im Vergleich
dazu. Sie hatten große Zähne und Kiefer und entsprechend
starke Kaumuskeln und den typisch menschlichen parabolischen
Zahnbogen.
Homininae
Aus der grazilen Austalopithecus-Form
entwickelte sich vor ca. 2,5 Millionen Jahren die Gattung Homo,
die ersten Menschen.
Wie seine Vorfahren waren die frühen Menschen
relativ klein. Die wichtigsten Unterschiede betrafen seinen Kopf.
Der Gehirnschädel war runder und das Gesicht war im Vergleich
zum Australopithecus kleiner.(siehe unten)
Zwischen 1960 und 1970 wurden in Ostafrika
zwischen dem Turkanasee und Olduvau Gorge (Tansania) von Louis und
Mary Leakey die Reste von 2 Spezies ausgegraben:
Homo rudolfensis war eine wenig größer
und besaß ein kleineres Gehirn als Homo habilis. Viele Forscher
sind der Meinung, daß es sich um dieselbe Spezies handelt
= Homo habilis. Das Gehinvolumen
war um einiges größer als das der Australopithecines,
zwischen 500 und 730 ccm..
Homo habilis
hatte kleinere Zähne, besonders die Backenzähne und einen
kleineren Mund. Aufgrund der Zahnform läßt sich auf weiche
Nahrung schließen.

Vor 1.9 Millionen Jahren entwickelte sich aus Homo
habilis Homo erectus.
Einige Paleoanthropologen führen 2 verschiedene
Spezies an: Homo ergaster
und Homo
erectus.
Die ergaster-Fossilien sind etwas älter (1.9-1.5 MJ) und stammen
nur aus Ostafrika. Die meisten Funde von Homo erectus datieren vor
1.2-0.4 MJ. Man fand sie überall in Afrika, Asien und dem südlichen
Europa (siehe Abb. 85).

Homo erectus entwickelte sehr erfolgreich
Kulturtechniken, die ihm erlaubten, sich an neue Situationen anzupassen.
Sie wanderten aus Afrika nach Asien und Europa und besiedelten dort
tropische und subtropische Zonen. Überraschenderweise blieben
sie bis vor 600 000 Jahren relativ unverändert.
1984 fand das Team um Richard Leakey's
am Lake Turkana ein nahzu vollständig erhaltenes Skelett eines
12 Jahre alten Homo erectus- Jungen, der Turkana
boy (siehe Abb.
85). Es war 1.6 Millionen Jahre
alt.
Besonders bemerkenswert sind die Funde von Homo
erectus in Zhoukoudian, China, da hier 40 Skelette
von Homo erectus Männern, Frauen und Kindern samt Nahrung usw.
gefunden wurden. Man nannte diese Spezies ursprünglich Sinanthropus
pekinensis (Peking Mensch) . Sie waren 400 000 Jahre alt.

Das Skelett der Homo erectus-Menschen
war bis auf den Schädel mit unserem heutige identisch. Nur
die Beinknochen waren etwas dicker. Der Schädel war deutlich
unterschiedlich.

Die Stirn war relativ flach und
über den Augen fallen die großen Augenbrauenwölbungen
auf (= supraorbital tori ). Das Schädelvolumen des
Erwachsenen betrug zwischen 850 und 1225 cm3 (im Durchschnitt
1000 ccm). Die Zähne liegen zwischen denen der Australopithecines
und denen der heutigen Menschen mit der Tendenz zu geringere Größe
je jünger der Fund. Dies legt den Schluß nahe, daß
weichere Nahrung, mehr Fleisch
bzw. gekochte Nahrung zu sich genommen wurde.
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