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Angesichts der enormen genetischen Kenntnisse heute
einerseits und dem Wissen um die genetische Erblast des Menschen
sind die Gesetzgeber gefordert, Richtlinien für den Umgang
mit diesem Wissen festzulegen.
Man bezeichnet alle Maßnahmen zur Verbesserung
der genetischen Qualität des Menschen als Eugenik.
Der Begriff Eugenik
kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erbhygiene,
Erbgesundheitslehre. Ziel ist es, die Ausbreitung von Genen
mit ungünstigen Wirkungen in menschlichen Populationen möglichst
einschränken, andererseits erwünschte Genkonstellationen erhalten
oder vermehren.
Das nationalsozialistische Regime hatte unter Berufung auf angebliche
genetischen Erkenntnisse eine politische Irrlehre über die Eugenik
verbreitet und willkürlich Selektion betrieben, die zum Tod von
über 6 Millionen Menschen führten. Deshalb ist der Begriff
Eugenik mit den Greueln des Nationalsozialismus verknüpft.
Die historischen Wurzeln der Eugenik als pseudowissenschaftliche
Lehre von der Erbgesundheit und Erbhygiene, reichen ins 19. Jahrhundert
zurück. Francis Galton, ein
Cousin von Charles Darwin, baute seine Theorie für eine bessere
Menschheit auf der Idee der Züchtung auf: Die Fortpflanzung «Erbgesunder»
sollte gefördert (sogenannte positive
Eugenik), jene der «Erbkranken» (sogenannte negative
Eugenik) vermieden werden.
Dieses Gedankengut fand nicht nur in England Nachhall. In den USA
erreichte die Eugenikbewegung ihren Höhepunkt 1924 in rassistisch
motivierten Einwanderungsbeschränkungen. Durch Einwanderer aus Süd-
und Osteuropa werde das «reine amerikanische Blut vergiftet», wurde
behauptet. Heute werden z. B. in der Bevölkerungspolitik Chinas
eugenische Kriterien angewandt. Seit 1995 verlangt das Gesetz über
mütterliche und kindliche Gesundheitsvorsorge eine voreheliche Untersuchung
von Mann und Frau. Werden schwerwiegende genetische Mängel diagnostiziert,
darf das Paar nur heiraten, wenn durch medizinische Eingriffe die
Kinderlosigkeit garantiert wird.
Der Begriff Eugenik hatte
also je nach Ära seine eigene Bedeutung.
Unser Grundgesetz gibt
unter anderem Folgendes vor:
- Die Würde des Menschen
ist unantastbar."
- "Jeder hat das Recht
auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, ..."
- "Jeder hat das Recht auf Leben
und körperliche Unversehrtheit."
- "Niemand darf wegen seiner Behinderung
benachteiligt werden."
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Diese Prinzipien des Grundgesetzes der Bundesrepublik
Deutschland sind geboren aus der Idee der Gleichheit aller Menschen
und ihrem Recht auf gesellschaftliche Anteilnahme.
Ein weiteres Dogma ist der Eid des Hippokrates
( Arzt-Gelöbnis):
| "Bei meiner Aufnahme
in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich, mein Leben
in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen. Ich werde meinen
Beruf mit Gewissenhaftigkeit und Würde ausüben. Die
Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit meiner Patienten
soll oberstes Gebot meines Handelns sein.
Ich werde alle mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod
des Patienten hinaus wahren. Ich werde mit allen meinen Kräften
die Ehre und die edle Überlieferung des ärztlichen Berufes aufrechterhalten
und bei der Ausübung meiner ärztlichen Pflichten keinen Unterschied
machen weder nach Religion, Nationalität, Rasse noch nach Parteizugehörigkeit
oder sozialer Stellung.
Ich werde jedem Menschenleben von der Empfängnis an Ehrfurcht
entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst
nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden.
Ich werde meinen Lehrern und Kollegen die schuldige Achtung
erweisen. Dies alles verspreche ich feierlich auf meine Ehre."
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Nicht zuletzt sind für eine große Anzahl Menschen eugenische
Maßnahmen im Widerspruch zu ihrem Glauben.
Insofern haben die nationalen
und internationalen Parlamente im Zeitalter der Gentechnik
und der Möglichkeit, Erbkrankheiten medikamentös zu therapieren
die Aufgabe, Widersprüche zu beseitigen, Aufklärung zu
leisten und sachlich und moralisch vertretbare Gesundheitspolitik
zu betreiben.
Die Gesellschaft muß
sich der Diskussion und den Konsequenzen stellen und sie akzeptieren.
Die Religionen müssen
sich reformieren und die Trennung von Staat und Kirche muß
vollständig vollzogen werden.
Inzwischen werden viele Vorsorgemaßnahmen,
um die Gesundheit lebender oder künftiger Individuen zu verbessern
getroffen. Beispiele sind:
- die Untersuchung Neugeborener,
um für eine eventuelle Behandlung rechtzeitig Anomalien zu
identifizieren,
- pränatale Diagnostik
wie z. B. Amniozentese,
- Einführung genetischer
Tests und Beratungen,
- Impfung der Mütter
gegen Röteln,
- Folsäure als Nahrungszugabe
vermindert das Risiko einiger angeborener Defekte,
- Aufklärung in Sachen
Rauchen u. Trinken von Alkoholika währen der Schwangerschaft,
- Gesetze, die den Schutz
des ungeborenen Lebens vor Umwelteinflüssen zum Ziel haben,
- Verbot der Heirat bestimmter
Blutsverwandten,
- Programme zur Geburtenregelung.
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Abb. 91
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Sir Francis Galton
1822 - 1911
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Britischer Anthropologist, Entdecker, Statistiker
und Begründer des Begriffs Eugenik
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