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Vielen Merkmale liegt nicht nur ein Gen zugrunde
sondern es sind mehrere Gene an der Ausbildung einer Eigenschaft
beteiligt. Dies nennt man Polygenie.
Beispiele sind: Größe,
Gewicht, Intelligenz, Pigmentierung und viele Krankheiten.
Folgt ein genetisch bedingtes Merkmal keinem
einfachen Mendelschen Erbgang und ist es zudem variabel ausgeprägt,
kann man annehmen, daß Polygenie
vorliegt.
Bei solchen Merkmalen findet man eine kontinuierliche Variation
des Phänotyps, die einer Normalverteilung entspricht.
In Abb. 57 ist die mittlere
Körpergröße (cm) einiger Länder aufgeführt:
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USA
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BRD
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Japan
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Holland
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Xm = E Xi/n
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männl.
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175.5
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174.5
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165.5
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182.5
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weibl.
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162.5
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163.5
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153.0
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169.6
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Der Mittelwert (Xm)
wurde wie folgt berechnet: Xm
= E Xi/n wobei Xm = Mittelwert;
E = Summe; Xi
= einzelne Datenpunkte; n
= Anzahl der Datenpunkte.
Wie man sieht, gibt es wenig besonders kleine und
besonders große Menschen. Mit Hilfe der Statistik kann man
neben dem Mittelwert folgendes
berechnen:
- Bereich
- Varianz
- Standardabweichung
- Varianzkoeffizient
Die Analyse solcher Erbgänge kann deshalb
schwierig sein:
- Einige bzw. viele Gene bedingen dasselbe Merkmal.
- Jedes Gen hat einen kleinen Effekt auf den Phänotyp.
- Die Effekte verschiedener Gene summieren sich
(= additive Genwirkung).
- Es können an einem Genort multiple Allele
sein.
- Die genetischen Effekte können additiv
sein oder die Gene beinflussen sich
- innerhalb eines Genorts (Dominanz)
- zwischen den Genorten (Epistase)
- durch Umweltfaktoren (Genotyp x Umweltwechselwirkung:
multifaktoriell)
- Keine bestimmten Aufspaltungsverhältnisse.
- Es ist schwierig, die einzelnen Geneffekte zu
unterscheiden.
- Transgressive Aufspaltung (= die Nachkommen
zeigen extremere Phänotypen wie die Eltern).
- Der tatsächliche Phänotyp kann kann
bestimmt werden durch.
- Phänotypischer Wert P =
G + E + GxE
- G = genetische Komponente
- E = Umweltkomponente
- GxE = Genotyp x Umweltwechselwirkung
- Man kann folgendes abschätzen:
- Anzahl der Gene
- Vererbung
- den genetischen Vorteil
Wir wollen nun eine der ältesten untersuchten
Fälle in der Geschichte der Genetik analysieren. Damals wurde
Genetik meist an Pflanzen betrieben.
Beispiel 1:
Polygenie beim Weizen (Nilsson-Ehle 1909)
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Erbgang:
monohybride Kreuzung, dominant- rezessiv,
Polygenie
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Merkmal:
Kornfarbe
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Allele:
rot1/rot2 (R1,R2)
und weiß1/weiß2 (r1,r2)

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P
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R1R1R2R2
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X
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r1r1r2r2
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Gameten
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R1R2
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r1r2
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F1
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R1r1R2r2
|
X
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R1r1R2r2
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Gameten
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RR2,R1r2,r1R2,r1r2
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RR2,R1r2,r1R2,r1r2
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Die F1 ist uniform mischerbig mit
Zwischenfarben, was eigentlich der 1. Mendel -Regel entspricht.
Die F2
spaltete sich allerdings in 5 Farbklassen auf: weiß,
schwach rot, mittelrot, dunkelrot, stark dunkelrot. Er erklärte
diese mit der Annahme von 2 Genen R1 und R2, die additiv wirken.
1/16 der F2 war weiß, bzw. stark dunkelrot, der Rest lag dazwischen.
Das Ergebnis entspricht der Erwartung der multiplen
Genhypothese!

- n = Anzahl der Genpaare;
- 1/4n = Verhältnis der beiden extremen Phänotypen
(%);
- 2n+1= Gesamtzahl der möglichen Genotypenkategorien
Trägt man die Anzahl der Nachkommen in den
einzelnen Kategorien gegen die Anzahl der Kategorien auf, erhält
man die Normalverteilung. Mehr über die statistische Analyse
solcher polygener Erbgänge hier:
Wie schon erwähnt sind beim Menschen solche polygenen oder
multifaktoriellen Merkmale sehr häufig:
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Normale Merkmale:
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Erbleiden:
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- viele die Körperform betreffende Merkmale,
- Haut-, Haar- und Augenfarbe
- Hautleistenmuster,
- Verhaltensweisen
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- angeborene Pylorusstenose,
- angeborene Hüftgelenksluxation,
- Klumpfuß,
- Lippen-/Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten,
- angeborene Herzfehler,
- Coronare Herzkrankheit,
- Anencephalus,
- Spina bifida,
- Geistige Behinderung,
- Schizophrenie,
- Affektive Psychosen
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Beispiel 2:
Polygenie beim Menschen
(Modell für Pigmentierung)
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Erbgang:
monohybride Kreuzung, dominant- rezessiv, Polygenie
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Merkmal:
Hautfarbe
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Allele:
dunkel1, dunkel2, dunkel3 (A,B,C)
und hell1, hell2, hell3 (a,b,c)
Die Allele A,B und C sind für dunkle Hautfärbung
verantwortlich, die Allele a,b,c für helle. Je mehr A, B oder
C eine Person besitzt, desto dunklere Hautfarbe hat sie. Vermutlich
sind tatsächlich 4 Gene für die Pigmentierung zuständig.
Mischlinge der F1 besitzen in der Regel dunkle
Hautfarben, dagegen unter den F2-Hybriden findet man wenig Weiße
und Dunkelhäutige und eine große Bandbreite an Mischfarbigen,
die einer Normalverteilung ähneln.
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