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1.1.4.3 Aufwärtstransport im Sproß Nachdem wir nun besprochen haben,
wie Wasser und Nährsalze in den Zentralzylinder der Wurzel gelangen,
wollen wir nun ergründen, welche Kräfte den Aufwärtstransport
im Sproß verursachen.
Grundsätzlich sind 4 Kräfte dafür verantwortlich:
Aus der Physik wissen wir: Der Luftdruck kann eine Flüssigkeitssäule ca. 10 m hoch heben, oder der Gewichtsdruck einer 10 m hohen Wassersäule entspricht dem Luftdruck 1 bar (0,1 MPa). Deshalb müßten Pflanzen in diesem Größenbereich eigentlich keine Probleme mit der Wasserversorgung bis in die oberen Bereiche haben. Die Wasserleitung erfolgt ja im Xylem in den Gefäßen (Tracheen, Tracheiden). Diese sind Kapillaren (dünne Röhren mit einem ø < 1 mm), in denen Kapillarkräfte wirken. Bei einem Ahornbaum von 30 m Höhe muß also ein ununterbrochener Wasserfaden in den Gefäßen bestehen, damit die Wasserversorgung bis zu den Blättern gewährleistet ist. Wasser und wässrige Lösungen besitzen eine
Kohäsion ( Zerreißfestigkeit)
von ca. 3,5 MPa (35 bar). Außerdem haften wässrige Lösungen
an Cellulose- und Holzgefäßwänden (Adhäsion)
. Beide Eigenschaften sind durch die Wasserstoffbrücken im
Wasser bzw. durch die polaren Eigenschaften des Wassers zu erklären.
Mit den drei genannten Werten kann man eine maximale Wachstumsgrenze berechnen. 3,5 MPa Kohäsion könnten eine Wassersäule auf 350 m heben (0, 1 MPa = 10 m). Jedoch muß davon ein beträchtlicher Teil für die Überwindung der Reibung aufgewendet werden. Nimmt man einen Reibungswiderstand von ca. 0,02 an, sind dies bei 120 m ca. 2,3 MPa. Die Differenz zu 3,5 MPa beträgt 1,2 MPa zur Überwindung der Gravitation. Höhere Bäume hat man nie beobachtet. Der derzeit höchste Baum ist ein Mammutbaum ( Sequoia sempervirens) in Kalifornien mit ca. 111 m Höhe. Abb. 24 zeigt den vom Volumen her größten Baum , der General Sherman Baum mit 86 m Höhe und 11 m Stammdurchmesser, ebenfalls aus der Gattung Sequoia. Durch die Transpiration schwankt der Stammdurchmesser je nach Tageszeit. Gerade im Sommer ist der atmosphärische Saugdruck so hoch, ( bis 30 MPa), daß der Gefäßdurchmesser sich durch den Strohhalmeffekt verringert. Er ist mittags am geringsten und nachts am größten. 1.1.4.4 Abgabe an den Blättern Die Wasserabgabe erfolgt ( in der Regel) an der Blattunterseite
über die Stomata, da die Epidermen durch die Kutikula imprägniert
sind.
In Abb. 26 ist die Blattunterseite von Tradescantia spec. zu sehen. Die Stomata sind regelmäßig über die Blattunterseite verteilt. Gut zu sehen ist der Spaltöffnungsapparat der aus bohnenförmigen Schließzellen und 2 Nebenzellen besteht. Durch die Stomata wird der Transpirationsstrom reguliert. Sie sind tagsüber geöffnet, nachts geschlossen. Die Größe der Stomaöffnung wird durch Formveränderung der Schließzellen bestimmt. Dazu sind sie speziell gebaut. Ihre Wände sind ungleich dick und enthalten radial angeordnete Zellulose- Fibrillen. Erhöht sich der Turgordruck, schwellen Sie an und biegen sich nach außen, da ihre Enden zusammenhaften. Sie enthalten Chloroplasten, wie in Abb. 27 zu sehen ist. Mechanismus der Stomabewegung
Dadurch wird die H+/ATPase-Ionenpumpe
aktiviert, die H+-Ionen
aus der Zelle pumpt. Dies bewirkt ein negativeres Membranpotential, wodurch
sich die K+-Kanäle
öffnen und K+ in die Zelle strömt. Die K+-Konzentration
erhöht sich so von ~100 mM auf ~400-800 mM. Dadurch erhöht sich
die Saugkraft
und Wasser strömt ein, sodaß die Schließzellen anschwellen.
Die Stomaschließung wird durch
hervorgerufen. Diese Faktoren inaktivieren die H+/ATPase und öffnen Anionenkanäle für Cl-. Die K+- Auswärtskanäle
werden geöffnet, und K+ strömt aus der Zelle, Wasser folgt passiv
nach und der Zellturgor sinkt: die Spaltöffnungen schließen
sich. Zu beachten ist der Zusammenhang der Stomabewegung mit der
Photosynthese. Licht steigert die Photosynthese und diese verbraucht
CO2 was zu einer niedrigeren CO2-Konzentration in
der Atemhöhle führt. Genau dies stimuliert die Stomaöffnung.
Viele Pflanzen reduzieren bei Trockenheit die Transpiration durch Stomaschließung.
Obwohl die Stomafläche ca. 1% der Blattfläche ausmacht, ist die Transpiration des Blattes ca. 70% der Transpiration einer gleichgroßen Wasserfläche. Dies erklärt sich durch den Randeffekt. Danach haben kleine Öffnungen ein größeres Diffusionsfeld als gleichgroße Bereiche einer offenen Fläche. Die Evaporation verhält sich wie der Gasaustritt durch Düsen. Die Austrittsgeschwindigkeit ist proportional zum Durchmesser der Öffnung und nicht zur Fläche.
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Weiterführende Quellen: |