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Bisher haben wir uns mit rein pflanzenanatomischen Sachverhalten beschäftigt, nun wollen wir pflanzenphysiologische Inhalte besprechen. (Physiologie = Lehre vom Stoffwechsel) Wir wollen folgendermaßen vorgehen:
1.1.4.1 Ursachen der Transpiration; Weg
des Wassers und der Salze durch die Pflanze Pflanzen sind Bestandteil des globalen Wasserhaushalts. Als verlängerter Arm des Bodens sind sie zwischen das Wasserpotential des Bodens und der Atmosphäre geschaltet. Ständig strömt Wasser vom Boden in die Wurzel, aufwärts im Sproß und wird an den Spaltöffnungen in die Atmosphäre abgegeben. Wasserpotential Y ( psi ) = Meßgröße der Wasserverfügbarkeit eines wasserhaltigen Systems oder ein Maß für das Bestreben eines Systems, Wasser abzugeben; je höher Y, je größer die Tendenz, Wasser abzugeben.
Einheit: bar oder Pa; (1 MPa = 10 bar); MPa = MegaPascal
Y biologischer Systeme ist fast immer negativ Y reines Wasser =0 (bei Standardbedingungen 25° C, 1 bar) Y Blätter
in Pflanzen mit guter Wasserversorgung = -0,2 bis -0,6 MPa Y Blätter Xerophyten = -2 bis -5 MPa
Im Gegensatz zum Boden, aus dem je nach Wasserpotentialunterschied Boden/Luft, Wärme und Luftbewegung der Atmosphäre unkontrolliert Wasser verdunstet, kontrollieren die Pflanzen ihre Wasserabgabe durch die Spaltöffnungsbewegungen. Die Pflanze verliert jedoch auch ständig Wasser durch die Spaltöffnungen, weil diese für den Gasaustausch der Photosynthese geöffnet sein müssen, andererseits wird Wasser als Rohstoff für die Photosynthese gebraucht. Man kann also den ständigen Wasserstrom durch die Pflanze mit Hilfe des Diffusionsprinzips (siehe Klasse 11) erklären. Diffusion geschieht immer entlang eines Konzentrationsgradienten (hier das Wasserpotentialgefälle Boden/Luft). Die treibende Kraft ist das niedrige Wasserpotential der Luft ( bei 80% Luftfeuchtigkeit: Y = -300 bar). Es besteht eine stufenweises Wasserpotentialgefälle:
Diesem folgt der Wasserstrom (Transpirationsstrom). An den Blätter entsteht so eine Art Saugkraft, die das Wasser hochsaugt.
Alle Faktoren, die das Wasserpotentialgefälle Blatt/Luft steigern, erhöhen die Transpiration:
Belichtung ruft die Öffnungsbewegung der Stomata hervor, vermindert so den Diffusionswiderstand und steigert deshalb die Transpiration. Mit einem einfachen Experiment kann man die Transpiration eines Zweiges messen.
Unser Experiment zeigt uns nochmals die zuvor erwähnten Faktoren, die die Transpiration beeinflussen: Wasserpotentialgefälle, Wärme, Wind, Stomatamenge. Viele mehrjährige Pflanzen werfen im Herbst ihre Blätter ab. Daraus ergibt sich die Frage, wie die Wasserversorgung im Winter ohne Stomata aufrechterhalten wird, z.B. bei Laubbäumen, die über 20 m hoch sind. In dieser Jahreszeit herrscht außerdem eine niedrige Temperatur, die die Diffusionsrate absenkt. Trotzdem durchleben die Bäume diese Jahreszeit und aus den Ästen entspringen im Frühjahr neue Blätter. Es muß also neben der atmosphärischen Saugkraft noch einen anderen Vorgang geben, der das Wasser nach oben befördert. Man nennt ihn Wurzeldruck. Schneidet man eine Pflanze direkt über der Wurzel ab, entsteht an der Querschnittsfläche ein Wassertropfen, Nachweis für den Wurzeldruck. Es sieht so aus, als wenn die Wurzel Wasser in den Sproß
presst. Genaugesagt entsteht der Wurzeldruck durch die Aktivität
der Endodermiszellen, die unter Energieaufwand (ATP-Verbrauch; Aktiver
Transport) Ionen in den Zentralzylinder drücken.
Das Wasser folgt passiv nach. Zusammenfassung:
Turgeszenz einer Zelle
Nicht verholzte Pflanzengewebe erhalten ihre Form durch den Druck des Zellinhaltes (Vakuole) gegen die Zellwand. Diesen Druck nennt man Turgordruck (P). Er wird durch die osmotische Wasseraufnahme der Zelle verursacht. Wasser strömt wegen der in der Vakuole gelösten niedermolekularen Stoffe in die Zelle. Solange das Wasserpotential der Vakuole niedriger ist als das der Umgebung nimmt die Zelle Wasser auf. Die Wasseraufnahme geht solange, bis der Wanddruck (W = -P) der Zellwand gleich dem osmotischen Druck (p )entspricht. Nun ist die Zelle vollturgeszent. Die Saugkraft (S) der Zelle ist dann : S = p -W ( 0,5 -1 MPa) |
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Weiterführende Quellen:
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