| 4.2 Schilddrüse |
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| 4.2.1 Anatomie und Funktion | ||||||||||||||||||||||||||
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Die Schilddrüse (Thyreoidea) ist die größte Drüse im Halsbereich. Sie liegt im vorderen Teil des Halses unter der Haut und den Muskeln und ist schmetterlingsförmig; ihre seitlichen Teile umschlingen die Luftröhre. Ihre Hormone T4 (= Thyroxin) und T3 (=Trijodthyronin) sind jodhaltig, wirken in fast allen Körperzellen und regen dort den Energiestoffwechsel an, dienen also zur Regelung des Grundumsatzes. Neben T4 und T3 wird noch das Hormon Calzitonin produziert.
Die Schilddrüse ist ungewöhnlich unter allen Hormondrüsen, da sie Hormonvorstufen extrazellulär speichert. Die Zellen der Schilddrüse bilden runde Follikel (Bläschen, ca. 200 µm Durchmesser). Sie besitzen Rezeptoren für das Hypophysenhormon TSH. Dies löst über ein G-Protein die Bildung von cAMP aus, was dann in den Zellen zur Bildung der für die Hormonsynthese notwendigen Enzyme führt. Kapillare Blutgefäße befinden sich ebenfalls um die Follikel genauso wie parafollikuläre Zellen (C-Zellen). Die Follikelzellen sythetisieren am rauhen ER aus ca. 100 Tyrosinresten die Hormonvorstufe Thyreoglobulin und geben diese an das Kolloid (gelatineartige Substanz im Innenraum der Follikel) ab. Dort findet die Reaktion mit Jod statt. Jodid-Ionen werden durch Na/K-Punpen der Follikelzellen im Follikel angereichert. Die Mikrovilli der Follikelzellen nehmen die gebildeten Hormone T4 und T3 auf und geben sie an die Blutkapillaren ab. Die Schilddrüse sezerniert auf diese Art und Weise täglich etwa 90 µg T4 und 8 µg T3. Allgemeine Wirkung und Primärwirkung von T4 und T3 T3 und T4 gelangen als hydrophobe Stoffe problemlos durch die Membran fast aller Zellen, binden dort an einen zytoplasmatischen Rezeptor, der sich an bestimmte Stellen der DNA im Zellkern anlagert und dort Gene aktiviert, die z. B. zur Herstellung der ATP-Synthase führen. Insgesamt wird das Knochenwachstum und die Organreifung beeinflußt, die Vernetzung der Neuronen im Gehirn gefördert, die Wirkung der Neurotransmitter der Katecholamine verstärkt und der Herzschlag und Pulsschlag erhöht. Weiterhin wird die Wärmeproduktion und die Sauerstoffaufnahme erhöht, die allgemeine Proteinsynthese und damit das Wachstum verstärkt. Auch die Fettsynthese und der Fettabbau und der Wasser- und Salzhaushalt werden angeregt. Die parafollikulären Zellen bilden übrigens das Hormon Calzitonin, das an der Regelung des Kalziumspiegels beteiligt ist. 4.2.2 Ursachen von Funktionsstörungen, Regelkreisschema Ca. 20 % der Bevölkerung haben Schilddrüsenerkrankungen, 90% davon Frauen. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Anzahl der vergrößerten Schilddrüsen (= Kropf oder Struma) aufgrund von Jodmangel erschreckend hoch:
Schilddrüsenerkrankungen können in der Regel auf 4 Ursachen zurückgeführt werden:
Kropf (Struma) Eine Vergrößerung der Schilddrüse, der Kropf, oder medizinisch korrekt "die Struma" entsteht in aller Regel infolge eines Iodmangels, seltener durch andere Erkrankungen der Schilddrüse. Durch Wachstum versucht die Schilddrüse den Mangel an dem Hormonbaustein Iod bei noch ausgeglichener Stoffwechsellage auszugleichen. Mit einer Häufigkeit von ca. 30% in der Bevölkerung ist der Kropf die am weitesten verbreitete Erkrankung der Schilddrüse.Jodmangelstrumen entstehen besonders in Phasen der hormonellen Umstellung wie Pubertät, Schwangerschaft, Stillzeit und Klimakterium. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) Hyperthyreose tritt bei jeweils etwa 5% der Bevölkerung auf. Die genaue Ursache, warum die Schilddrüse zu viel Thyroxin produziert ist unbekannt; vielleicht verliert die Schilddrüse ihre Fähigkeit auf das Hormon der Hypophyse entsprechend zu reagieren. Die Krankheit kommt bei Frauen eher als bei Männern vor. Patienten mit der Basedowschen Krankheit (siehe rechts) sind sehr nervös, erregbar, ermüden leicht. Obwohl ihr Appetit gut ist verlieren sie an Gewicht. Man kann erhöhte Pulsrate, gesteigerten Herzschlag und eine höhere Körpertemperatur messen. Autoimmunreaktionen im Bereich der Augenhöhle bewirken das charakteristische Hervortreten der Augen. Die Therapie erfolgt durch Gabe von Medikamenten, die die Thyroxinproduktion drosseln. Der frühere US-Präsident George Bush leidet z. B. an Schilddrüsenüberfunktion. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) Bei der Hypothyreose besteht ein Defizit an Schilddrüsenhormonen. Dieses Defizit kann angeboren oder erworben sein. Schilddrüsenunterfunktion kann aus verschiedenen Gründen eintreten u.a.:
Schilddrüsenunterfunktion beim Erwachsenen nennt man wegen der Verdickung und Schwellung der HautMyxödem, beim Kleinkind (angeboren) ist es als Kretenismus bekannt und führt zu Schwachsinn und anderen körperlichen Symptomen. Regulation der Schilddrüsenaktivität Die Schilddrüse ist ein klassisches Beispiel einer hypophysengesteuerten Hormondrüse mit negativer Rückkopplung.Die Regulation der Schilddrüsenhormonproduktion ist nachfolgend dargestellt.
Der Hypothalamus als oberste Instanz erhält ja alle Information der sensorischen Fasern, also auch die der Temperatursinnesorgane. Außerdem gibt es Hinweise, daß die Hypophyse dem Hypothalmus je nach Thyroxinspiegel im Blut ebenfalls Meldung macht. Die Enterorezeptoren zur Messung der Thyroxinkonzentration sitzen in der Hypophyse. Kälte oder zu niedrige Thyroxinkonzentration führt zur Ausschüttung von TRH, dem Thyreotropin-Releasing Hormon. Dieses regt die Hypophyse zur Produktion von TSH,dem Thyreoidea-stimulierenden Hormon an. Die Schilddrüse produziert darauf die beiden Hormone T4 und T3, die in den Körperzellen den Energiestoffwechsel anregen. Dadurch wird einerseits die Thyroxinkonzentration im Blut erhöht, was über Rückkopplung der Hypophyse gemeldet wird, andererseits wird die Körpertemperatur durch Wärmeproduktion angehoben. Das Ganze läßt sich wie in Abb. 27 zu sehen ist als Regelkreis formulieren.
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